Die Japaner säubern Paris

Nein nein keine Angst, ich meine das natürlich nur im besten Sinne 🙂

Gemeint ist nämlich eine freiwillige Putzkolonne, wie es sie in etlichen Japanischen Städten bereits gibt. Sie formierte sich durch in Paris lebende Japaner, die es in Paris einfach zu schmutzig fanden. Das nenne ich eben echten Tatendrang! Da wird nicht gemäkelt, da wird gemacht! Japaner über alles 😉

Japanischer Putzfimmel reinigt Paris

Von Hans-Hermann Nikolei

Ein bisschen skurril, aber lobenswert ist die Aktion, mit der einige Japaner der französischen Hauptstadt seit einigen Jahren zu Leibe rücken. Als eine Art freiwillige Putzkolonne, kehren sie das auf, was Schmutzfinken in der Stadt der Liebe täglich hinterlassen.

Vor den Augen erstaunter Touristen packt Masayoshi Yamajuchi den Abfallgreifer und sammelt vor dem Eiffelturm den Schmutz auf. Neben ihm machen 15 andere Japaner Pfingstputz vor dem Pariser Wahrzeichen. «Wir wollen der Stadt, in der wir leben, etwas zurückgeben», erklärt Yamajuchi. «Wir fühlen uns für unser Paris verantwortlich. Es ist einfach zu schmutzig hier.»

Jeden Monat nehmen sich Yamajuchi und seine Freunde einen anderen Ort der Seine-Metropole vor. Diesmal gehen sie mit ihren Müllsäcken, Greifzangen und Handschuhen die Grünanlagen am Eiffelturm durch, den Parc Champ de Mars. Den Place de la Concorde haben die Japaner schon gekehrt, die Champs-Élysées ebenfalls. Sie tragen grüne Westen, denn sie sind «green birds», Mitglieder einer japanischen Bewegung für mehr Umweltbewusstsein in den Städten.

In 30 japanischen Städten gibt es die 2003 gegründete Bewegung bereits. Vor zwei Jahren machte sich der Ex-Banker Yoshikazu Sekigushi daran, ein Pariser Nest der «grünen Vögel» zu bauen. Als würden die 5000 Straßenkehrer nicht reichen, die die Seine-Metropole täglich von Hundekot und McDonald’s-Tüten, Kippen und Kaugummis reinigen.

«Wenn wir den Unrat beseitigen, führen wir den Menschen das Problem vor Augen», sagt Tadashi Yamamoto. Das schaffe ein Verantwortungsgefühl. Japaner seien das eher gewohnt als Franzosen. «Bei uns in Japan macht man nicht nur im eigenen Haus sauber, sondern auch die Straßen in der Nachbarschaft», sagt Yamamoto. «Am besten ist es doch, wenn Abfall gar nicht erst auf die Straße geworfen wird.»

Die meisten Touristen sehen in den «green birds» eher «schräge Vögel». Manche machen schnell ein Foto und schlendern dann weiter. Auch die Stadt Paris war anfangs reichlich irritiert. Doch jetzt hat die Seine-Metropole ein Herz für die «green birds» entdeckt und hofft, dass sie die «Dreckspatzen» verdrängt. Und auch ein paar Franzosen streifen sich die grüne Weste über und packen den Besen.

«Das ist für uns kein Affront, wenn Japaner hier putzen», sagt Vizebürgermeister François Dagnaud. «Wir sehen die ‹green birds› als Partner, nicht als Widersacher. Wir wollen doch auch, dass die Pariser sich verantwortlich für ihre Stadt fühlen.» Man müsse alle Bürger mobilisieren, sagt Dagnaud. «Die Japaner sind in der Frage anspruchsvoller als wir, wegen ihrer Kultur und sicher auch, weil sie schon so lange auf so engem Raum in großen Städten leben.»

Vielleicht helfen die «green birds» ja auch, ihre japanischen Landsleute vor dem gefürchteten «Paris-Syndrom» zu bewahren. Viele der 700.000 Japaner, die jährlich Frankreich besuchen, idealisieren die Stadt so sehr, dass sie einen Schock bekommen, wenn sie am Ziel ihrer Träume sind. Paris, das heißt für sie Kultur, Haute Couture und feine Küche. Sie erwarten edle Boutiquen, raffiniert gekleidete Frauen, elegante Herren und kultivierte Restaurants.

Doch wenn sie ankommen, stoßen sie auf eine enge und laute Metro und ein oft kleines und etwas heruntergekommenes Hotel. Die Pariser hetzten gestresst bei roter Ampel über die Straße. Der Kellner im Café lässt sich lange bitten, bis er die Bestellung entgegen nimmt. Und dann noch der Dreck. Viele werden davon krank und müssen mit psychosomatischen Störungen ins Krankenhaus. Der Psychiater Hiroaki Ota hat dafür das Wort «Paris-Syndrom» geprägt.

«Die Architektur ist so einzigartig, wie man das erwartet», erklärt Yamamoto. «Doch wenn wir auf den Boden schauen, sehen wir Abfall. Ich lebe schon 20 Jahre in Paris. Als ich hier ankam, war ich schockiert über den Dreck. Hundekot liegt sogar in den Parks auf dem Rasen.» Doch jetzt hat Yamamoto sich eingelebt. Er ist ein echter Pariser geworden. Deshalb nennt er es selbstverständlich, sich für ein schöneres Paris einzusetzen – als «green bird».

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