Pasolini-Film darf gezeigt werden

Die Stadtpolizei Zürich krebst zurück: Der Film «Salò oder die 120 Tage von Sodom» ist nun doch erlaubt. Man habe den künstlerischen Wert zu wenig gewürdigt.

Vergangene Woche hatte die Polizei den Film von Pier Paolo Pasolini noch als gewaltverherrlichend und pornografisch eingestuft und dem Kino Xenix die Ausstrahlung verboten. Nun kam sie zum Schluss, «den künstlerischen Wert offenbar zu wenig gewürdigt» zu haben.
Dies hätten Gespräche und Reaktionen, aber auch Gerichtsurteile aus anderen Ländern gezeigt, heisst es in einer Mitteilung. Sofern die gängigen Altersvorschriften betreffend Jugendschutz eingehalten würden, spreche nichts gegen die Vorführung des Films.
«Moderne und fortschrittliche Polizei»
«Lieber eine späte Einsicht als keine Einsicht», sagte Stadtpolizeisprecher Marco Cortesi zum Meinungsumschwung. «Ein Grossteil der Bevölkerung stuft den Film offenbar als Kunst ein.» Dem will die Polizei nicht im Wege stehen. «Schliesslich wollen wir eine moderne und fortschrittliche Polizei sein», so Cortesi.
Lob für die Polizei
Positiv überrascht von diesem Entscheid wurde das Kino Xenix, das «Salò oder die 120 Tage von Sodom» in seiner Retrospektive über Pasolinis Werk am vergangenen Sonntag in der Offenen Kirche St. Jakob zeigen wollte und auf Grund des Verbots stattdessen eine Podiumsdiskussion durchführte. «Dass die Polizei die Grösse hat, zu sagen ‚Wir haben uns geirrt‘, ist super», sagte Mirko Vaiz, Mitglied der Kino-Geschäftsleitung. Auch wenn der verpatzte Abschluss der Filmreihe natürlich ärgerlich sei.

Das Kino will den Film nun baldmöglichst zeigen. Wegen des momentanen Umbaus wird dies laut Vaiz aber frühestens im April sein oder gar erst im Mai, im Rahmen einer ohnehin geplanten Reihe zum Thema «Film und Gewalt». Nicht ausgeschlossen ist, dass ein anderes Zürcher Kino in die Bresche springt.
Vergewaltigung und Folter
Pasolinis Film aus dem Jahre 1975 ist wegen seiner Darstellung von Vergewaltigungen, Folter und Szenen mit menschlichen Ausscheidungen umstritten. Wegen der expliziten Darstellung von Gewalt wurde er in vielen Ländern verboten. Für den Kommunisten Pasolini war der Film extremster Ausdruck seiner antifaschistischen Haltung. Als Kritik am Faschismus wurde er auch von der Filmkritik gewürdigt. (grü/sda/ap)
(Quelle: tagesanzeiger.ch)

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