Modeselektor (diverse andere, nicht erwähnenswerte DJ’s) im Genfer Club Le Zoo, 5.9.2007

Als ich nichtsahnend vor etwa einem Monat auf der myspace-Seite von Modeselektor rumgewuselt habe (in der steten Hoffnung, dass bald wieder eine akzeptabel angeordnete, einigermassen was hermachende und informative Webseite aufgeschaltet wird statt dieser Billiglösung welche mehr über die Besucher statt die Inhaber des spaces aussagt), entdeckte ich, dass am 5. September, Mittwochs in Genf ein Gig stattfinden würde…

Kurzerhand wurden alle Hebel in Bewegung gesetzt, um unserem Vorsatz, jeden Gig von Modeselektor in der Schweiz zu besuchen, nachzukommen, sprich: ich habe für den 6. September frei gebucht beim Chef und sem.sa informiert.

Leider war es sem.sa nicht möglich freizunehmen, was natürlich mehr als schade war. Dennoch hielt sie – tapfer – an unserem Vorsatz fest. Geplant war also, dass wir uns auf dem Bahnhof in Lausanne treffen würden, gemeinsam nach Genf fahren und dort abfeiern würden (egal ob Modeselektor erst spät nachts kommen würden, wie das auch schon der Fall war), dann in Düdingen übernachten würden, morgens nach Fribourg fahren damit sem.sa zur Arbeit gehen und ich anschliessend nach hause donnern konnte.

Vor zwei Tagen wars dann soweit: Modeselektor-Tag! Wir trafen uns in Lausanne (ich hatte mich etwas verspätet da ich mich dreimal verfahren hatte und dabei auch gleich die absolut geilste Strasse entdeckt hatte, die ich je gefahren bin) fuhren erstmal aus der Stadt raus. Auf der Autobahn gabs Platzwechsel da ich meine fakultative Brille nicht mithatte und meine Augen den Dämmerungsmodus nur beschränkt unterstützten.

Also war ich Planleser (wie immer der Ausdruck aus der offiziellen Webseite ausgerüstet, aufgrund unserer schlechten Erfahrungen mit solchen Plänne (siehe Drummers of Japan und Kubrick-Ausstellung), hatte ich aber noch einen maps.google.de-Kartenausschnitt mit), sem.sa war Fahrerin.

Kaum in Genf angekommen, wussten wir schon nicht mehr wo wir waren und waren dann nur noch damit beschäftigt, nicht von Taxifahrern von der Strasse gedrängt zu werden und ein Parkhaus zu finden, welches 24h am Tag offen hatte (in weiser Voraussicht, aus unseren Fehlern aus der Vergangenheit lernend). Als Edgar dann endlich einen Platz im Parkhaus Mont-Blanc gefunden hatte, suchten wir sogleich eine Futterquelle auf.

Wir landeten in einem merkwürdigen Restaurant, dessen Spezialität offensichtlich Fleisch war. Zumindest hangen überall Bilder von Kühen, Poster die die einzelnen Fleischstücke der Kuh beschrieben und ähnliches. Anbei: falls jemand ein Bild findet, auf dem die Kuh sich NICHT am linken Nasenloch leckt, bitte unbedingt mailen!… oder war es rechts??). Naja, wir haben uns Entercote mit Beilagen gewünscht. Und erstmals in unserer Karriere als Restaurant-Besucher geschah es, dass das Essen vor den Getränken am Tisch war…

Gut gesättigt wollten wir dann ganz american Lifestyle-like ein Taxi direkt an der Strasse abfangen. Und es hat auf wundersame Weise funktioniert. Dummerweise hatte ich den Stadtplan aus googlemaps im Auto vergessen und statt dessen unseren Plan für die Kubrick Ausstellung aus Zürich mitgenommen, was irgendwie weniger hilfreich war. der Taxifahrer fand den Place de volontaire 4 im Handumdrehen.

Wir stiegen aus, bemerkten eine unwahrscheinlich kalte Bise, wollten uns sofort (es war etwa 23h) den Eintritt holen und reingehen. der Club „le zoo“ befand sich leider bei einem anderen Eingang im Gebäude, weshalb wir fälschlicherweise zuerst an der falschen Kasse ein Ticket lösten und dann in einem Jugendlokal-artigen Saal landeten, dessen Besucher, Anlage und Organisatoren kaum Modeselektor versprachen.

Als wir dann den richtigen Eingang gefunden und das zweite Ticket für diesen Tag gelöst hatten, waren wir dann im 1. Stock des Gebäudes. Die Aufmachung der Lokalität versprach schon viel eher Modeselektor. Wir fanden frühzeitig einen Sitzplatz und erfuhren, dass Modeselektor bereits um 2 Uhr auftreten würden (und das war eine umso erfreulichere Nachricht da unsere Düdingen-Übernachtung gekänzelt worden war und wir unseren Schlaf im Auto finden würden). Also dachten wir uns „egal was kommt, wir müssen ja nur 3 Stunden warten…).

Da wussten wir noch nicht, was uns in diesen drei Stunden erwarten würde. Tatsache ist: es folgten drei Stunden vollgestopft mit RnB-angelehnter HipHop-Popscheisse, bei welcher jedes Intro wie ein Trance-Remix klingt, nach den ersten Acht Täkten aber dann der Standard-HipHop Beat daruntergelegt wurde, welcher dann jeweils in unterschiedlichen Variationen mit Rhythmuselementen ausgeschmückt wurde (achja, und mittlerweile haben HipHop-Produzenten entdeckt, dass ein Sub-Bass die Bässe direkt teurer klingen lässt), oder die Aussage der Lieder zwischen „ich bin cool“, „wir sind cool“, „Reichsein ist geil“, „ich bin geil“, „ich werde diskriminiert“ und „ich will ficken“ schwankt.

Allmählich begriffen wir dann, dass wir in einem HipHop-Schuppen gelandet waren, wo das höchste der Gefühle ein oder zwei Breakbeat-Stücke waren. Eigentlich hätten wir das bereits am Publikum erkennen müssen, denn die Mehrheit kam gemäss Dresscode mit Überlangem (einfach alles war übergross, überlang, sogar die Cappies). Also im Prinzip bestand das Publikum aus HipHoppern und solchen, die es noch werden wollten.

Um es kurz zu sagen: ich bin nicht prinzipiell HipHop-Gegner, aber an diesem Abend wurde ich mit genau der Sorte HipHop konfrontiert, die mir ja so gar nicht zusagt. Und anbei bemerkt: die Anlage war eine Katastrophe und wir beobachteten aus sicherer Entfernung, wie Modeselektor hin und wieder durch den Club geisterten. Wir vermuteten, dass sie entweder unglaublich viel an diesem Gig verdient haben oder den Inhaber des Clubs unwahrscheinlich gut kennen.

Aber dass auch Modeselektor von der Qualität der Anlage angeschissen waren, war offensichtlich. Wir waren schon gespannt darauf, wie sie dieses Problem lösen würden, denn mehrmals an diesem Abend konnten wir beide reflexartig nur noch eines denken: „Leute, stellt die Scheisse leiser! Es überschlägt Mann!“. Aber ungeachtet der Hundmiesen Soundqualität wurde weiter sinnlos gedröhnt.

Um 2 Uhr dann endlich der Moment, auf den wir gewartet haben! Modeselektor betraten, nachdem wir dreimal umsonst aufgestanden waren in der Hoffnung, dass die Vorgänger endlich die letzte HipHop-Hymne gespielt hatten, die Bühne und eröffneten mit der Dunklen Seite der Sonne mit den Puppenmeistern (wuawua, klingt das nicht witzig?) ihre Show. Es war eine denkbar gute Entscheidung, das Set mit einem HipHop-lastigen Stück zu beginnen. Im Allgemeinen sind sie auf dieser Spur weitergefahren, haben uns mit TTC und Sasha begeistert, aber wir durften wieder einmal nie Gehörtes geniessen! Das Dilemma mit der Anlage haben sie simpel und professionel gelöst: weniger Bass, leiser. Und was waren wir dankbar darum, obwohl wir nur ungern darauf verzichten!

Wir haben den ganzen Abend am Rand des Raumes zugebracht, wollten uns aber Modeselektor nicht entgehen lassen und wagten uns ins Getümmel. Und ich muss euch sagen: ein Durchgangsverkehr herrschte da! Das war ja nicht normal! Ich habe keine Ahnung wo die ständig hinmussten, aber ich weiss dass sie a) ständig irgendwo hinmussten und dass sie b) das auch mit aller Kraft durchzusetzen wussten.

Als Modeselektor die Bühne verliessen, hielt uns auch nichts mehr. Wir verliessen eiligst den Club, versuchten ein Taxi zu bekommen (was sich gegen Vier uhr in Genf als schwierig erweist). Um vier starteten wir dann Edgar, machten uns schleunigst auf den Weg zur Autobahn. Sem.sa verabschiedete sich noch vor Lausanne ins Land der Träume. Ich wählte die falsche Autobahn und fuhr dann über Neuchatel nach Bern, um dort dann Kehrt zu machen und Richtung Fribourg zu donnern. Um Fünf oder So kamen wir dann endlich in Düdingen an, schliefen erstmals bis halb Neun im Auto auf dem Bahnhof.

Als die Handys dann um 8.30 Uhr uns wachklingelten, war die Nacht bereits längstens verflogen. Sem.sa klemmte sich einen MiniCooper unter den Hintern und fuhr zur Arbeit, ich kämpfte mich durch den Waadtländer Arbeitsverkehr ins Wallis zurück, wo ich dann gegen 12 Uhr eintraf.

Und wagt nicht einmal, zu fragen: Natürlich hat es sich gelohnt! Es war Modeselektor!

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