Elvis lebt?

Liebe Leserinnen und Leser,
im Folgenden werde ich mich zu einem weiteren gesellschaftlichen Phänomen äussern. Ich möchte mich mit dem „Nachleben“ (erstmals seitdem dieses mehr als fragwürdige Wort von irgendeinem Linguistenpropheten erfunden wurde, könnte man meinen, begriffen zu haben, was es zu umschreiben vermag) von Elvis, the King, Presley auseinandersetzen.

Und ich möchte hiermit offiziell Stellung beziehen, vielen nach wie vor verwirrten Geistern ein Licht schenken, dem sie folgen können. Ich möchte, dass all die Hoffnung von millionen von Fans endlich in einer Tatsache gipfeln, dass all die Tränen und der Schmerz um den Verlust eines Königs einen endgültigen Sinn bekommen, dass ein für allemal zum Ausdruck gebracht wird, was für jeden zurechnungsfähigen Mensch offensichtlich ist (lasst mich hierfür ein Nietzsche-Zitat korrigieren):

Elvis ist tot!

Nun, für einige mag dies eine überraschende, ja vielleicht sogar schockierende Nachricht sein. Aber wenn wir ganz ehrlich sind: es ist irgendwie unwahrscheinlich, dass man eine Meldung, die seit dem 17. August 1977 30 Jahre lang von allen Medien wiedergekäut wird, einfach „versäumt“. Aber irgendwie ist es doch auch unwahrscheinlich, dass man den Tod eines Mannes, den man vielleicht zweimal live auf der Bühne gesehen hat, weniger wahrhaben kann/will als beispielsweise der Tod irgendeiner anderen Person, mit der man vielleicht über Ecken verwandt ist, oder vielleicht sogar in gerader Linie, oder Leute mit denen man in die Schulbank gedrückt hat… was weiss ich! – …

Also wenn ich das mal so auf den Punkt bringen darf: Wie armselig muss man sein, dass der Tod eines Unbekannten so inakzeptabel ist, dass man ihn nicht mal nach 30 Jahren wahrhaben will?! Da können wir kaum noch von kurzzeitiger geistiger Umnachtung sprechen…

All diese Verschwörungstheorien, all die Bücher und „Arbeiten“ in denen Elvis‘ Tod in Frage gestellt wird, sind doch nichts anderes als billiges Boulevard-Gewäsch, mit dem regelmässig irgendwelche Journalismus-Studenten versuchen, gross raus zu kommen (denn wenn es eine verzweifelte Leserschaft gibt, dann ist es mit Sicherheit die „Elvis-lebt!“-Fangemeinde, die immer wieder hofft, durch „neue Erkenntnisse“ ihre Daseinsberechtigung zu untermauern).

Letzten Endes, meine Freunde, bleibt es jedem selbst überlassen, ob er an die unbefleckte Empfängnis, einen lebenden Elvis oder an Jungfrauen im Himmel glauben will, Tatsache bleibt, dass Elvis von der Bildfläche verschwunden ist. Und ich denke, er hat es nicht getan, damit billige Imitationen, schwachsinnige Elvis-Reinkarnationen oder geldgeile Säcke mehr Platz auf der Bühne haben. Ich persönlich bin einfach nur dankbar, dass wir die Ära, in der Banjos und Einmann-Bands die Unterhaltungsbranche geprägt haben, hinter uns gelassen haben.

Liebe Elvis-Fans! Bitte verschont alle Nicht-Elvis-Fans mit weiteren hirnverbrannten Theorien und akzeptiert seinen Tod endlich so, wie ihr den Tod eurer Mütter auch hinnehmen würdet: still, ohne Verschwörungstheorien, ohne Wiederbelebungsarien. Denn eines ist klar: selbst wenn der King noch leben würde, so hätte er allem Anschein nach seit über dreissig Jahren nicht das geringste Interesse, auch nur im Entferntesten irgendetwas mit euch Freaks zu tun zu haben.

Denn, und das muss ja jetzt mal gesagt werden, Elvis war ja eigentlich alles andere als ein „Meilenstein“ in der Musikgeschichte, sondern er ist doch vielmehr der bis dahin ungekannte Tiefpunkt: der erste Mann, der seine Musik durch sein Image und sein Aussehen vermarktet hat. Ok, zugegebenermassen wurde es danach eigentlich nur noch schlimmer (nicht nur sein Aussehen, ich meinte im Konkreten eigentlich die Tatsache, dass immer mehr Musik nicht aufgrund ihrer Qualität sondern aufgrund der „Qualitäten“ des „Interpreten“ auf den Markt kommt).

Und mal abgesehen davon… Also menschlich war er jetzt auch nicht gerade die Maria Teresia… Immerhin hat er seine letzten Erdenjahre damit zugebracht, in Saus und Braus Drogen und andere Luxusgüter masslos zu verschwenden… Wenn man bedenkt wie lange die Rolling Stones schon im Geschäft sind (immerhin ohne Todesfälle), müsste man denen ja ihre Disziplin hoch anrechnen gemessen an der Tatsache, dass Elvis ziemlich frühzeitig dem Luxus und den Versuchungen sprichwörtlich erlag…

Und ja, ihr dürft mich ketzerisch nennen, aber das ist meine persönliche Meinung. Hätte der Typ ein Gesicht wie Karl Dall, ich wette der hätte nicht eine Platte verkauft! (nichts für ungut, Karl!) Ich persönlich hoffe, dass ich nicht mit achtzig Jahren aufm Buckel vor einem Plasma-HD-Screen sitze um mir die hundertste Elvis-Revival-Party ansehen zu müssen. Und ich denke, wir sollten alle darauf hinarbeiten, dass das nicht geschieht! Es gilt: Macht mit den Toten was ihr wollt, aber verschont die Lebenden!

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