In die Flucht geschlagen

Liebe Leser,
es folgt nun eine kleine Anekdote aus meinem Leben. Viel Spass… Gestern abend trug es sich zu, dass ich gegen 19h zuhause eingetroffen bin. Hab mir ne Pizza in den Ofen geschoben und wollte mich gerade auf dem Weg zur Dusche begeben. Da begann das Telefon zu klingeln. Üblicherweise ignoriere ich das. Da die meisten Telefonate nicht für mich bestimmt sind, habe ich es mir abgewöhnt, überhaupt welche entgegen zu nehmen (dies würde dann nur zur Folge haben, dass ich einen Zettel und einen Stift suchen muss, mühsam etwelche Notizen festhalte die dann ohnehin von meinen Eltern ignoriert werden mit der Begründung „Wenn sie wirklich was wollen rufen sie nochmals an“).

Also habe ich es – wie üblich – weiterklingeln lassen. Erfahrungsgemäss lassen es auch die hartnäckigsten Anrufer bereits nach dem 25. Klingeln. Gestern allerdings schien es sich um einen Sonderfall zu handeln: während das Klingeln nach etwa einer halben Minute für gewöhnlich unterbrochen wird damit die Leute nochmals wählen und wieder umsonst warten können, hat das Klingeln gestern einfach nicht aufgehört.

Zuerst fand ich das ja ganz spannend und habe mir einen perfiden Spass daraus gemacht, einfach mal zu warten. Nach etwa 5 Minuten wurde ich stutzig: könnte es an unserem Telefon liegen? Ist der Apparat hin? Oder gibt es wirklich eine dermassen unangenehm penetrante Person?. Um a) das nervige Klingeln zu beenden und b) Gewissheit zu haben was mit unserer Strippe los ist, habe ich also den Hörer abgehoben und war gespannt, was ich von der anderen Seite der Leitung zu hören kriege.

Ein gescheiterter Radiomoderator mit Zürcher Dialekt teilte mir dann zugleich mit, dass er gerne eine Meinungsumfrage zum Thema „alternative Energien“ mit mir durchführen möchte. Ich war natürlich erheblich genervt weil meine Ohren von dem ganzen Gebimmel immer noch ganz konfus waren und ich eigentlich unter die Dusche springen und Pizza futtern wollte. Dass diese überaus penetrante Person dann allem voran auch noch die berühmt berüchtigte „Zürifresse“ geschwungen hat, hat mir den Rest gegeben.

Ohne lange zu überlegen habe ich zugesagt (in der Gewissheit, dass ich dieser Person damit keinen Gefallen tun werde). Die ersten Fragen betrafen meine Person (Alter und so Zeug). Dann gings los:

penetranter, gescheiterter Radiomoderator mit Zürcherdialekt: Finden Sie dass es in der Schweiz zuviele Abstimmungen gibt?
ich: nö
pgRmZ: Nehmen Sie regelmässig daran teil? Waren sie in den letzten Monaten an a) jeder, b) fast jeder oder c) an nur einer Abstimmung
ich: an keiner
pgRmZ *mit deutlich abschätzigem Unterton*: Aus Prinzip oder weil sie keine Zeit haben?
ich: beides
pgRmZ *versucht sachlich zu bleiben*: Denken Sie, dass man alle Atomkraftwerke der Schweiz ausschalten könnte wenn der Stromverbrauch auf dem augenblicklichen Stand bleibt?
ich: keine Ahnung
pgRmZ *leicht verzweifelt*: Ja raten Sie mal
ich: ok, nein
pgRmZ: Ok. Denken Sie, dass man Atomkraftwerke nicht mehr verwenden sollte solange die Entsorgung der Abfälle nicht geklärt ist?
ich: keine Ahnung
pgRmZ *jetzt definitiv genervt*: Ja aber Sie müssen doch eine Meinung haben…
ich: Nicht direkt, habe die Diskussion etwas mitverfolgt und bin zum Ergebnis gekommen, dass ich zuwenig von Klima, Wirtschaft und Energie verstehe, um wirklich eine Meinung zu diesem Thema zu vertreten
pgRmZ *richtig sauer*: Also wenn sie keine Meinung haben können wir auch keine Meinungsumfrage durchführen. Wünsche einen schönen Abend! *hängt energisch auf*

Und dreimal dürft ihr raten wer schmunzelnd in der Küche sass, den Hörer ans Ohr gepresst und das Freizeichen in vollen Zügen genossen hat!

Diese Geschichte soll natürlich nicht nur zeigen, wie man simpel und effektiv Telefonumfragen abwimmeln kann, sondern sie hat natürlich auch erschreckend viel Moral und ich will euch, lieben Lesern, gar nicht vorhalten, dass ihr die Botschaft nicht selber erkennen könntet, dennoch:
Verantwortungsbewusste, (und deshalb) meinungsfreie Personen werden zwar diskriminert, aber das heisst noch lange nicht, dass sie nicht auch zurücknerven können!

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