Einfach fantastisch :)

aus der Weltwoche:

Die Eins-in-die-Fresse-Diät

Von Güzin Kar

Fatma findet es lustig, sich mit Jungs zu prügeln – und nimmt dabei ab.

Fatma prügelt sich mit Jugendlichen. Als sie neulich vom Einkaufen nach Hause kam, versperrten ihr ein paar junge Kerle, die vor dem Haus herumlungerten und rauchten, den Weg. Fatma zwängte sich mit ihren vollen Einkaufstaschen an ihnen vorbei und liess dabei eine Bemerkung fallen über ihre schlechten Manieren. Früher hätte man einer Dame noch geholfen, die Taschen hochzutragen, sagte sie, heute rühre man sich nicht einmal mehr vom Fleck. Die Jungs sagten, sie helfe ihnen ja auch nicht dabei, Joints zu rollen, und lachten. Fatma setzte ihren Weg fort und hörte, wie einer leise sagte, sie sei doch schon ein Dickwanst und brauche nicht noch mehr Esswaren hochtragen. Fatma versuchte, die Bemerkung zu überhören, merkte aber, wie sie automatisch den Bauch einzog und dasselbe mit dem Hintern tun wollte, was ihr aber nicht gelang.

Sie fing an, sich zu ärgern. Sowohl darüber, dass sie ihren Hintern nicht beherrschte, als auch darüber, dass sie es wegen ein paar Lümmeln überhaupt versuchte. Also stellte sie die Taschen ab, ging zurück und beschimpfte die Jungs. Die schimpften und spuckten zurück. Fatma kam in Fahrt und sagte immer schlimmere Beleidigungen. Die Jungs ebenso. Bis Fatma nichts mehr einfiel. Anstelle einer Antwort gab sie dem betreffenden Jungen einen Kinnhaken und streckte ihn nieder, was nicht nur sie selber, sondern auch die Freunde erstaunte. Die lachten auf einmal los: «Der wird von einem Weib verprügelt.» Eine Stunde später stand der Gedemütigte mit weiteren Freunden da. Sie platzierten Hundekot in Fatmas Briefkasten.

«Ich habe nur dann eine Chance, wenn ich den Kerl alleine erwische», sagt sie jetzt und rührt in ihren Töpfen. «Du prügelst dich also mit Jugendlichen?», sage ich, «bisher dachte ich, dass dir junge Männer gefallen.» – «Tun sie auch», sagt Fatma. «Aber was bitte soll ich tun, wenn ich ihnen nicht gefalle?» – «Musst du sie deshalb gleich schlagen?» – «Hast du eine bessere Idee, Spatzenhirn? Ich kann mich ja schlecht auf sie drauflegen.» Verstehe. Vermutlich wird sie mir gleich erklären, dass sie ihren verzweifelten Wunsch nach Nähe und Körperlichkeit nur über Gewalt ausleben könne und dass ihre Prügeleien ein einziger hilfloser Schrei nach Zärtlichkeit seien. «Da siehst du, wozu die Gesellschaft mich treibt», sagt sie. «Vielmehr deine Hormone», sage ich. «Schon möglich», sagt Fatma und leckt genüsslich die Kelle ab. «Ich muss zugeben, dass ich mich dabei ganz gut fühlte. Diese straffe Haut des Jungen an meiner Faust!» – «Du bist nicht nur ein dickes, sondern auch ein perverses Weib», sage ich.

«Irgendein Gericht wird dich zu erzieherischen Massnahmen verdonnern.» Ich sehe Fatma schon im Antiaggressionstraining. Man wird sie in einen Kreis von jungen, hübschen Kerlen stellen, die alle «Dickwanst» und «Nilpferd» schreien und lachen. Fatma wird lernen, die Demütigungen nicht persönlich zu nehmen, sondern milde lächelnd zu sagen: «Schön, dass ich eure Meinung erfahren darf.» – «So ein Blödsinn», sagt sie. «Prügeln ist lustiger. Und praktischer. Dadurch verliere ich die Kalorien, die ich gerade koche. Und Jungs hauen und davonrennen ist immer noch besser als gar keinen Sex.» Sie hat schon Turnschuhe gekauft.

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