Musikpiraterie – aber wer ist hier eigentlich der Pirat?

eitdem das Internet für den Durchschnittsbürger zugänglich ist, hat sich eben dieses Netz als die genaueste Dunkelzifferangabe aller Zeiten bewährt. Der hohe Anteil an Pornografie und die immer raffinierteren Methoden, an Musik heranzukommen ohne dafür bezahlen zu müssen, sprechen für sich und drücken mehr als alle anderen Menschlichen Handlungen aus, worunter der Homo Sapiens Sapiens wirklich leidet… In all diesen teils als verwerflich und teils als illegal bezeichneten Handlungen drücken wir die Sehnsucht danach aus, Menschlichkeit nicht bezahlen zu müssen.

Es schien als hätte man mit Napster eine Lawine losgetreten. Was anfangs von der Musikindustrie belächelt wurde, entwickelte sich rasant zu einem echten Problem; es war ja nicht so dass all das nicht absehbar gewesen wäre, die Industriellen der Musikszene haben uns nur für zu dumm gehalten.

Um mich nicht lange mit Gesülze auszubremsen: mit den Musiknoten, den Pausen und den verschiedenen Tonarten verhält es sich gleich wie beim Alphabet: uns steht eine begrenzte Anzahl von Möglichkeiten zur Verfügung, um überhaupt Musik zu produzieren. Mit uns meine ich kurz gesagt die gesamte Menschheit.

Mittlerweile gelten viele Notenvariationen beispielsweise als geschützt. Das ist ungefähr so sinnvoll wie ein Wort patentieren zu lassen. Ich spreche hier nicht mal von einem Namen, sondern lediglich ein Wort. Und wenn ich dieses Wort (bzw. eine Notenvariation) benötige um einen Text (bzw. ein Lied) zu vervollständigen, dann bin ich verpflichtet, dafür zu bezahlen, auch wenn ich alleine das Wort (bzw. die Variation) ebenfalls erneut kreiert hätte. Ich muss also etwas bezahlen weil ich ein paar Jahre nach der Erstentdeckung geboren worden bin. Ist das Richtig?

Oder betrachten wir doch die ganzen Bands welche in Kellern und Garagen die revolutionärsten Ideen haben; ich hoffe es ist jedem schon mal so ergangen eine echt phänomenale wenn auch unbekannte Band zu hören. Viele Bands bleiben für immer im Untergrund, weil die Plattenfirmen sie nicht wollen, weil sie nicht als Goldesel verwendet werden können. Musik wird aufgrund der Geldmaschinerie zu einem verdammten Pop-Brei, mindestens dreimal aufgewärmt (sorry, im Musikbusiness nennen die das gecovered). Die Hörer werden mit Retortenmusik zur Kasse gebeten wo sie brav dafür bezahlen sollen.

Aber was ist denn mit den armen armen Musikern die wegen den bösen bösen Piraten kein Geld mehr verdienen??? Ich kann es euch sagen: Diese armen armen Musiker die den ganzen Tag im Studio ihrem Hobby frönen, von den Medien zu Göttern gemacht und einer anderen gesellschaftlichen Kaste angehören müssen dann genau wie wir anderen Normales Brötchen verdienen gehen, sich genau so über ihre Kollegen, ihren Chef und ihre Kunden nerven wie alle anderen auch; müssen sich ihr Equipment genau so hart verdienen.

Wenn diese Leute wirklich Musik um der Musik Willen produzieren wollen, können die das auch genau wie all die hässlichen Frauen die zwar eine Tolle Stimme aber leider die falschen Masse haben in der Freizeit tun. Musik ist Geschmackssache und wird durch die Industrie zu einer Modeerscheinung gemacht; billige Wegwerfware wie Klamotten.

Und dabei ist der tiefe Kern der Musik, einen anderen Menschen durch das Produzieren von Tönen tief im Innern zu berühren; und nicht sich damit Yachten und Villen leisten zu können. Musik ist ein subtiler Ausdruck von Menschlichkeit. Sie verleiht unseren Emotionen eine neue Klangdimension. Wer gerne Musik produziert erfreut sich mehr daran, einem anderen Menschen Freude zu schenken in einem Lied statt am Geld auf dem Konto. Echte Musiker können sich erst dann profilieren, wenn die ganzen Poser von der Bildfläche verschwinden.

Wer also wirklich Musik hören will, der muss weit von den Pfaden des Pop- und Radiosounds abkommen, bzw. das Zeug von der Stange hinter sich lassen. Ich sage nicht, dass alle Musiker unserer Zeit nur geldgeile Säcke sind. Ich sage aber es sind Leute, die zur Richtigen Zeit am Richtigen Ort waren; was sehr oft ausschlaggebender ist als wirklich gute Musik zu machen solange es der Musikindustrie nur darum geht, Kohle zu scheffeln.

Die Musiklandschaft im Internet ermöglicht einen Blick jenseits dieses Mainstreams. Immer mehr Bands veröffentlichen Ihre Werke mangels Geld und Möglichkeiten im Internet, wodurch eine neue demokratische Ebene entsteht. Viele dieser Musiker sind selber noch der Ansicht, dass das absolute Ziel jenes ist, die eigene Musik verkaufen zu können (bzw. einen Plattenvertrag zu erhalten). Doch diese Ansicht ist nichts anderes als das Produkt einer pervertierten Gesellschaft, welche die Menschen zur Idee erzieht, dass nur Musiker, die von Ihrer Musik leben können, wirklich gut sind. Das Produkt reiner Menschlichkeit wird also obwohl es eigentlich Geschmackssache ist mit Geld entwertet; und um dieses Ziel zu erreichen kastrieren Bands ihre Songs in der Hoffnung, endlich Teil eines musikalischen Olymps zu werden, den es im eigentlichen Sinne des Wortes nicht gibt.

Projekt Sinnfrei wird in diesem Sinne ganz klar einen anderen Weg anstreben: wir werden alle unsere Produkte frei im Internet zur Verfügung stellen und uns riesig über jeden Klick freuen, den wir kriegen. Und noch mehr werden wir uns über Rückmeldungen freuen. Denn das ist das Höchste, was ein Musiker von seinem Hörer zu erwarten hat: Aufmerksamkeit und Anerkennung. Geld hat hier gar nichts verloren.
Ich hoffe dass immer mehr Musiker zu dieser Erkenntnis kommen und ihre Musik online voll veröffentlichen: so entsteht ein neuer Wettbewerb von unten nach oben; die Plattform (das Internet) ist längst vorhanden; und es ist schon lange nicht mehr notwendig, eine Plattenfirma zu haben um die eigene Musik zu verbreiten. In kleinen Files gepackt können diese Erzeugnisse weltweit von allen, die es hören wollen abgeholt und genossen werden; ohne Produktionskosten für Medien wie CDs oder DVDs, welche nach wie vor dem Zahn der Zeit nicht widerstehen können.

Erst wenn diese Industrialisierten, Post-Modernen Idole verdrängt werden, wird die Musiklandschaft ein Niveau erreichen, für welches man sich nicht mehr schämen muss. In diesem Sinne möchte ich wie so oft erneut die Absetzung von VIVA2 anprangern; dies nur am Rande.

Wer ist also nun wirklich der Pirat? Sind es die Leute die sich von anderen einen Popsong schreiben lassen und dann mit einem hübschen Gesicht und aufgemotzten Titten gewinnbringend verkaufen? Sind es jene Selbstdarsteller, die bis zum Tod von den Fans vergöttert werden weil die Medien die Menschen darauf konditionieren? Oder sind es die, die dafür sorgen dass reiche Manager noch reicher werden? Vielleicht sind es auch diejenigen, die denken, sie würden der Welt mit ihrer Musik einen Gefallen tun, während sie in Wirklichkeit mit jedem verkauften Song mehr und mehr dafür sorgen, dass der dumme Bürger finanziell ausblutet nur um ein paar Minuten Glück zu erfahren.

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