Eine Tradition vor dem Aus?

Neulich, als ich mich mit meinem Edgar zu meiner Arbeitsstätte begab um mich persönlichkeitswidrigen Handlungen zwecks wirtschaftlichen Überlebens zu widmen, fiel mir im Strassenverkehr ein kleines Detail auf. Vor mir fuhr ein deutscher Motorradfahrer; ich gehöre zwar zur Rasse der Autofahrer, aber ich konnte der Ästhetik seiner Maschine durchaus etwas abgewinnen.

Jedenfalls ergab es sich, dass ich den Zweirädler gute zwanzig Kilometer vor mir hatte. Dabei konnte ich beobachten, dass der gute Herr jeden entgegenfahrenden Motorradfahrer mit einem leichten Anheben des Armes grüsste. Nur leider: immer mehr Motorradfahrer grüssen nicht zurück.

Ich war so frei und habe auf dieser 20 Kilometer lange Strecke eine kleine Statistik erstellt nach welcher von 5 gegrüssten Zweiradlenkern nur 2 zurückgegrüsst haben. Eine beschämende Bilanz…

Um kurz näher auf die Tradition des Grusses unter Motorradfahrern einzugehen:
Wikipedia sagt:
Motorradfahrer grüßen sich häufig unterwegs mit Handzeichen; diese Geste ist Ende der 1950er Jahre entstanden, als man „unter sich“ war. In Ländern mit Linksverkehr erfolgt der Gruß üblicherweise durch Kopfnicken, da hier sonst die rechte Hand vom Gasgriff genommen werden müsste. In einigen Ländern, so zum Beispiel in Frankreich, ist es üblich, dass Überholende durch Ausstrecken oder Heben des rechten Beines grüßen.

Soviel zur Tradition und dem schon fast verschwindend geringen geschichtlichen Hintergrund, den es dazu zu berichten gibt.
Also mir tat der Deutsche auf seinem Gefährt heute richtig leid. Ich meine: klar wird für ihn nicht die Welt untergehn, er hat immer noch die Freiheit und sein Bike. Aber: ich persönlich mags nicht wenn ich nicht zurückgegrüsst werde. Besonders oft passiert mir das mit alten Menschen, die dann meistens nur geistesabwesend in meine Richtung starren.

Oftmals nehme ich mir dann die Freiheit meinen Gruss mit Nachdruck zu wiederholen, falls die Person schwerhörig sein sollte. Es hat durchaus schon Situationen gegeben in denen ich dann doch noch zu meinem Gruss gekommen bin, aber ich möchte auf der Strasse im öffentlichen Verkehr keinem Motorradfahrer begegnen der verzweifelt mit Händen und Füssen fuchtelt in der Annahme, dass der Gegrüsste vielleicht nicht besonders gut sehen kann. Das ist wenig beruhigend.

Zumindest fände ich es schade wenn diese Tradition verloren gehen würde. Gerade solche alltäglichen Huldigungen an die Sinnfreiheit müssen bewahrt werden! Also Motorradlenker: grüsst einander gefälligst!

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