Herr Kuhn und die Frauen

Erst kürzlich fiel Herr Kuhn, der mittlerweile ehemalige SVP-Präsident aus Luzern, negativ in den Schlagzeilen auf, weil er sich nach seiner Rückkehr von einer Russlandreise auf seinem Privatblog negativ über das Erscheinungsbild einiger Schweizer Frauen äusserte.

Mein Kommentar dazu kommt reichlich spät, da ich lange Zeit mit mir gehadert habe ob die ganze Sache überhaupt eine öffentlichen Stellungnahme wert ist. Wie ihr seht hat mein grosses Mundwerk gesiegt.

Allem Voran möchte ich zum Ausdruck bringen, dass ich Herr Kuhns Entrüstung darüber, dass die Meinung welche er auf seinem privaten Blog veröffentlicht hat  auch Auswirkungen auf sein politisches Leben hat, nicht nachvollziehen kann. Er braucht nicht so überrascht zu tun, denn Politik entsteht im Privaten und formiert sich dann lediglich zu einem Meinungsschema, welches einer Partei untergeordnet wird. Dass er als Präsident damit zwangsläufig im Lichte der Öffentlichkeit steht sollte daher wenig überraschen, zumal eine Partei dann meistens auch von öffentlichem Interesse ist.

Wäre er Präsident des hiesigen Vogelkundlervereins sähe die Sache sicher anders aus, aber da Politik von Meinungen lebt, muss er als Parteipräsident durchaus damit rechnen, dass seine Meinung politische Wogen schlägt. Es gibt Menschen die alles dafür geben würden wenn ihre Meinung nur einmal soviel Interesse auf sich ziehen würde….

Ich will aber auch klarstellen, dass jeder das Recht haben dürfte, seine eigene Meinung auszudrücken. Dass dann Scheisse im Briefkasten liegt und Angehörige bedroht werden, finde ich eine starke Überreaktion, welche keinesfalls notwendig gewesen wäre. Dass hingegen öffentlich darüber debattiert wird ob Herr Kuhn aufgrund seiner Ansichten noch eine geeignete Politische Position bekleidet ist erlaubt und auch gewünscht.

Und nun zum Wunschbild der Frauen. Geschminkt, mit wallendem Haar,  Röcken, hochakigen Schuhen und Seidenstrümpfen:

Ich als Frau sage dazu: ich halte das für eine rückschrittliche Vorstellung. Es geht mir hier nicht um Feminismus, sondern viel eher um Humanismus. Und der Humanismus predigt die Anerkennung innerer Werte. Durch die Forderung nach einer hübscheren Fassade kommt klar zum Ausdruck, dass das Äussere immer noch stark überbewertet wird.

Ich spreche mich für Hygiene und Pragmatik aus, aber nicht für eine Maskerade. Wenig Schutz und Wärme bietende Röcke, gesundheitlich höchst schädliche hochhakige Schuhe, in der Hitze wegschmelzende Schminke,  Strümpfe die zu Laufmaschen neigen und Hitze verursachende Haarpracht sind oftmals nicht alltagstauglich. Jede Frau wählt Ihre eigenen „Waffen“, und oftmals sind die Frauen, die völlig „wehrlos“ wirken umso „entwaffnender“.

Hübschheit zur Pflicht zu machen und dabei den Vergleich mit einem Land anzustreben, welches in einer latenten Depression lebt, finde ich da schon etwas weit hergeholt. Ganz abgesehen davon darf man ja ruhig in Frage stellen wer den Frauen eigentlich den Stempel des „Schönen Geschlechts“ aufgedrückt hat?

Wer hat uns eigentlich diese Bürde auferlegt? In der Tierwelt sind es stets die Männchen die mit Farbenpracht und Schönheit um die Gunst der meist unscheinbaren Weibchen buhlen. Im Grunde genommen können wir Frauen ja nichts dafür dass wir mittlerweile die Mehrheit der Weltbevölkerung ausmachen und damit diese Rolle den Männern abgenommen haben.

Ich will damit nicht sagen, dass Männer heute nicht auch unter einem gewissen Druck stehen was das Äussere angeht, dennoch wird durch die Massenmedien ein viel straffer geführtes Schönheitsregime bei den Frauen als bei den Männern durchgeführt, bereits ein kurzer Besuch am Kiosk und ein vager Blick auf die Titelseiten  bestätigt das.

Wenn eine Frau dann noch den Mut besitzt zu ihrer Persönlichkeit und ihrem ungeschönten Äusseren zu stehen, dann finde ich das nicht beunruhigend und auch nicht als veränderungswürdig, denn Schminke ist im Grunde genommen wirklich überfüssig und frisst sicher weit mehr unnötige Ressourcen als zugegeben. Dass eine Frau in ihrem Leben über ein Kilo Lippenpomade schluckt ist zwar nur ein Richtwert, aber immerhin einer.

Dass Schminke gut und gerne aus tierischen Fetten gewonnen wird ist weder ein Geheimnis noch ästhetisch. So laufen also die vielen Hübschen Frauen mit dem Talg toter Lebewesen am Gesicht herum, was ja eigentlich nicht wirklich appetitlich klingt. Ich selber bin weder veganisch noch vegetarisch orientiert, aber ich frage mich dennoch, ob man die menschliche Dekadenz wirklich noch auf diese Weise in Szene setzen muss.

Wenn also Herr Kuhn gerne ein paar hübsch zurecht gemachte Frauen in der Schweiz sehen will dann empfehle ich ihm einen Rundgang an den einschlägig bekannten Rotlichzonen, wo die Frauen zuhauf in Röcken und Schminke herumlaufen; hier allerdings businessbedingt.

Von den Frauen zu erwarten, dass sie sich hübsch machen ohne dafür mehr als ein paar ausziehende Blicke zu erhalten, ist utopisch und zweifelsohne herabwürdigend für das ganze Geschlecht der Frauen; unabhängig davon ob Herr Kuhn nur die „Linken Weiber“ oder eine andere Teilmenge angesprochen hat.

Demnächst soll nun ein Buch aus der Feder von Herr Kuhn folgen indem er seine Liebe zu den Frauen in einem mehrseitigen Werk zum Ausdruck bringen will. Es liegt nahe dass er in diesem Werk die wichtigen Rollen der Frauen als Mutter, Schwester, Tochter, Frau und Geliebte rühmen wird; ist ja ganz nett, aber er könnte dabei ausser Acht lassen, dass viele Frauen sich nicht durch diese Rollen definieren, sondern sich als Individuen betrachten, welche abgesehen von den Körperlichen Prädispositionen über einen freien, unabhängigen Geist verfügen, der nicht mehr durch unnötige geschlechterspezifische Vorverurteilung und medialen Druck geformt ist. Eine Lobeshymne an ein Geschlecht ist so ausdrucksstark wie die Lobeshymne auf durch eine bestimmte Krankheit Befallen, in einem bestimmten Land Geborene oder Ähnliche Menschengruppen welche sich durch nicht primär beeinflussbare Merkmale ähneln; es ist absolut nichtssagend.

Lieber noch hätte ich ein Buch in dem Herr Kuhn 500 Seiten lang von seiner Frau schwärmt, da kann man als Leser wenigstens einigermassen davon ausgehen, dass er das was er beschreibt und zu lieben glaubt auch kennt und zumindest ein wenig vesteht.

Jetzt ist mein Kommentar doch deutlich länger ausgefallen als erwartet. Offensichtlich hat sich in den letzten Wochen viel Gedankenmaterial zu dem Thema angestaut. Wer sich bis zu diesem Punkt durch den Artikel gefressen hat, dem sei meine Anerkennung sicher!

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5 Gedanken zu “Herr Kuhn und die Frauen

  1. Schade das Sie so denken, es gibt viele Frauen die stolz sind auf ihre Weiblichkeit und diese auch zeigen. Ohne dabei auszusehen wie eine billige Nutte. Diese Kulturleistung die Frauen früher hinbekommen haben, ist völlig verloren gegangen.

    Frauen haben ihre Ausstrahlung verloren, wollen weder Mutter werden noch Kochen können. Nur noch.. Ja was eigendlich? Wen interessieren diese anderen Frauen.. Mit Kurzhaarschnitt und Kleidung ohne Stil? Niemanden… Sie sind langweilig. Unsere Gesellschaft besteht nunmal aus dem Spiel der Geschlechter. Und es ist eine Schande das Frauen es als demütigend empfinden sich zu zeigen.

    Das ist vor allem eins, verklemmt, Lebensfeindlich, Spiessig..

    /ajk

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  2. Pingback: . » Blog Archive » René Kuhn doppelt nach: 2 Fliegen mit einer Klappe!

  3. Ich finde stolz sein sollte man auf Dinge, die man erreicht. Wer stolz ist auf das was er oder sie ist, läuft Gefahr sich nicht weiterzuentwickeln.
    Wenn Sie sagen dass Frauen Ihre Ausstrahlung verlieren wenn sie sich nicht aufbretzeln, keine Mutter sein wollen und nicht kochen, dann geben Sie doch damit Preis, auf was die Ausstrahlung der Frau so gerne reduziert wird.
    Kurzhaarschnitte sind praktisch und gelten als „trendy“, ich finde es darf jedem selbst überlassen sein zu entscheiden welcher Mode man folgt und welcher nicht. Und was Kleidungsstil angeht, gehen die Meinungen ohnehin auseinander. Wenn man einen „Dresscode für Frauen“ durchsetzen will, beschneidet man die Handlungsfreiheit dieser.
    Das Spiel der Geschlechter dient ohnehin nur der Fortpflanzung, wer sich aber heutzutage wirklich unsterblich machen will, der muss seine Ideen überleben lassen, nicht seine Gene.
    Ich finde meine Einstellung gar nicht verklemmt, da sie anderen Personen eben gerade keine „Klemmen“ (bzw. Grenzen) setzt. Wenn man vorschreibt wie sich die Angehörigen eines Geschlechts zu verhalten haben, dann finde ich das sehr spiessig. Ich verbiete es ja keiner Frau sich aufreizend anzuziehen.
    Warum meine Einstellung nun als lebensfeindlich betrachtet wird kann ich leider gar nicht nachvollziehen. Gerne erwarte ich eine Ausführung.

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  4. Gut, Ihre Einstellung kann man nachvollziehen, wobei einige Vergleiche schon an den Haaren herbeigezogen sind.

    Das Ganze muss man auch pragmatisch betrachten. Je mehr unsere Gesellschaft die Unterschiede zwischen den Geschlechtern negiert, desto stärker manifestieren sie sich in gewissen Bereichen. Alles eine Frage des Gleichgewichts. Natürlich kann ich meine These nicht wissenschaftlich untermauern, aber schauen sie sich mal in den Schulzimmern bei unseren Teenies um! Dort werden die Geschlechter dermassen hervorgehoben, dass es beinahe eine Karikatur auf unser ursprüngliches, eingermassen moderates Verständnis ist.
    Mag sein, dass die junge Generation immer antizyklisch zur nächst älteren lebt, trotzdem: Es wird ein interessantes Phänomen aufgezeigt.

    Anderseits müssen halt die Männer ebenfalls eine Art Stärkung durchmachen und wieder wissen, was einen Mann den ausmacht und diese Tugenden leben. Und ich habe noch keine Frau getroffen, die einen solchen Mann nicht schätzt. Was Frauen sagen, was sie wollen, was sie denken, was sie wollen und was sie wirklich wollen sind völlig unterschiedliche Dinge.
    I
    m Grunde genommen ist ein so schönes Zusammenleben zwischen Mann und Frau möglich. Yin und Yan. Aber ohne das eine, nicht das andere und Einheitsbrei war schon immer langweilig.

    Jetzt bin ich ziemlich abgeschweift. Naja, auch egal… ;-)

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  5. Ich frage mich halt einfach ob es pragmatischer ist, eine laufende Entwicklung aufzuhalten oder ob es nicht mehr Sinn macht den Dingen ihren Lauf zu lassen. Die Frauen die Ihren Geschmack nicht treffen wurden ja auch nicht dazu gezwungen.
    Ich danke Ihnen für den Hinweis, dass Sie Ihre These nicht wissenschaftlich untermauern können. Ich gebe zu, dass auch ich nicht in der Lage bin dafür garantieren zu können dass die Entwicklung zum „Guten“ führen wird, wenn man den Dingen die grösstmögliche Freiheit überlässt.
    Aus meiner Sicht fragt sich bei Ihrem Polarisierungswunsch auch was man sich denn unter dem „Idealbild des Mannes“überhaupt vorstellt. Bereits das Wort „Mann“ muss klar definiert werden: sind Zwitter, Transvestiten und Heterosexuelle auch „Männer“ bzw. des „Idealbilds würdig“? und: Wer kann sich das Recht herausnehmen wirklich sagen zu können was einen „Mann“ ausmacht, wenn man davon ausgehen darf dass die Entwicklung des Menschen noch nicht abgeschlossen ist.
    Im Allgemeinen Frage ich mich ob es zwischen einem Ja und einem Nein, einem Süd und einem Nord, einem Oben und einem Unten nicht doch noch ziemlich viel Handlungsspielraum gibt, der durchaus erforscht werden darf. Es wird ja immer Vertreter der Pole geben, warum sich also aufregen wenn einige eben nicht dem eigenen Geschmack entsprechen? Ich finde es darf ruhig für alle etwas Passendes da habenn.

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