Wie Home Taping die Musik belebte

Peter Mühlbauer 27.11.2009

Kassettengestaltung aus den 1970er, 1980er und 1990er Jahren

Mit bunten Kassettenhüllen kann man auch schlechte Musik „gut finden“. Alle Bilder: Telepolis (Bild vergrößern)


Am Anfang war die Schrift: In den 1970er Jahren ohne Überspielkabel vom Fernseher aufgenommene Titelmusik von Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt. (Bild vergrößern)


Seit den 1980er Jahren wurde die Gestaltung aufwändiger – was den auf dem hier abgebildeten Tape befindlichen Misfits-Stücken durchaus angemessen ist. (Bild vergrößern)


Den gegen Kassetten gerichteten Plattenindustrieslogan „Home Taping Is Killing Music“ wandelte man kreativ ab. Die fotografierte Joy-Division-Kassette darf (wie zahlreiche andere Kunstwerke) zwar besessen, aber nicht frei gehandelt werden. Ein Verkaufsversuch würde möglicherweise mit einer Abmahnung enden. (Bild vergrößern)


Werbung der Musikindustrie war in den 1980ern aber eher gern gesehen – lieferte sie doch einen prima Rohstoff für die Verschönerung überspielter Alben, wie beispielsweise der ersten Smiths-LP. (Bild vergrößern)

Kopierer ermöglichten, dass visuelles Rohmaterial ebenso wenig zerschnitten werden musste wie akustisches. Obwohl das neu Zusammenstellen der Stücke nach thematischen Kriterien und mit häufig nur dem Empfänger ganz verständlichen Anspielungen klar den größten Reiz der Kassette ausmachte. (Bild vergrößern)


Neben dem Aufnehmen von Selbstgemachtem, natürlich. Viele Schallplatten begannen als Demo-Kassetten. (Bild vergrößern)


Der Übergang vom Amateur- zum Profibereich war durchaus fließend: Viele Schätze, wie etwa Lorenz Lorenz‘ Honegger in Cambodia erschienen nicht auf Vinyl, sondern ausschließlich auf Kassette. Herausgeber Molto Menz führt heute übrigens das DVD Label absolut Medien. (Bild vergrößern)


Viele Kassettenlabels legten es weniger auf den Verkauf als auf den Tausch von Musik an: Da gab es dann beispielsweise Bizarro-Pop aus Japan gegen deutschen Experimentallärm. (Bild vergrößern)


Auf diese Weise konnte man schon vor dem Internet abseitig-geniales wie die protodiskordianische Religionsparodie Church of the SubGenius kennen lernen. (Bild vergrößern)

Roir aus New York war in den 1980er Jahren das bekannteste Kassettenlabel. (Bild vergrößern)


Und in Japan veröffentliche man die aufwändigsten Kassettenboxen mit heute noch rätselhaftem Inhalt. (Bild vergrößern)


59 to 1 war ein Fanzine, das mit Kassette kam. (Bild vergrößern)


So sahen Kassetten aus, wenn Grafik-Studenten sich ausleben durften. An Musik finden sich auf dem Band Captain Beefheart und Tim Rose, durch den Jimi Hendrix wohl zu Hey Joe kam. (Bild vergrößern)


Hier bietet die grafische Gestaltung eine sehr praktische Suchhilfe für die Musik aus Russ-Meyer-Filmen (Bild vergrößern)

Auch Schallplattenunterhalter verteilten in den 1980er und 1990er Jahren Kassetten. Auf dem Foto sieht man ein visuell besonders gelungenes Exemplar von Toxette. (Bild vergrößern)


Manchmal sind die Titel der Kompilationen das Tolle, nicht die Cover. „Musiker wollen mehr Geld und weniger Arbeit“ enthält beispielsweise eine Seite mit Stücken zum Thema Geld und eine zweite zum Bereich Arbeit. (Bild vergrößern)


Eine Sollbruchstelle der Kassette war die Hülle. Einsteckfreundlich geformte Polypropylen-Etuis, die TDK Ende der 1980er auf den Markt brachte, überlebten aber auch den Einsatz im Auto (Bild vergrößern)


Für diese Kassette wurde das Cover offenbar aus einem Wahlplakat der PDS (damals nicht mehr SED, aber noch nicht „Die Linke“) gestaltet. Portishead und 900 ft Jesus deuten auf eine Entstehungszeitpunkt um 1994 hin – drei Jahre, bevor 1997 der CD-Brenner und das MP3-Format das Ende einläuteten. (Bild vergrößern)


Ein kleiner Teil der mehreren tausend Kassetten von DJ Laufi, der mit dem Medium auch heute noch komplette Abende bestreitet. Alle Bilder: Telepolis (Bild vergrößern)

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