Darmbakterien sind an Übergewicht beteiligt

Und das nicht zu knapp!

Im Menschendarm leben 100 Billionen Bakterien. Und im Darm von Dicken – das haben amerikanische Forscher jetzt herausgefunden – ist die Bakterienart der „Firmicuten“ besonders häufig. Die amerikanischen Forscher untersuchten daraufhin auch die Darmflora bei dünnen und dicken Mäusen. Und fanden im Darm der dicken Mäuse den gleichen auffällig hohen Bestand an Firmicuten wie bei dicken Menschen.

Ballaststoffe viel besser verdauen

Dabei zeichnen sich die Firmicuten durch eine besondere Eigenschaft aus: Sie können Ballaststoffe viel besser verdauen als andere Bakterien. Firmicuten können Ballaststoffe in kleinere Bausteine zerlegen. Und dabei entstehen Zucker und Fettsäuren, aus denen der Körper Fett aufbaut. Waren die amerikanischen Forscher tatsächlich auf eine Ursache der Fettleibigkeit gestoßen?

Die Wissenschaftler entschlossen sich zu einem ungewöhnlichen Experiment: Sie nahmen Kot von dünnen und von dicken Mäusen und fertigten daraus zwei verschiedene, etwas unappetitliche „Cocktails“ an: Dickmaus-Kot-Cocktail und Dünnmaus-Kot-Cocktail. Sie wollten beweisen, dass die vielen Fermicuten und ihre Kohlehydrat-Verdauung auch wirklich Ursache und nicht nur Begleiterscheinung der Fettsucht waren.

Diese zwei verschiedenen Cocktails wurden speziellen Mäusen verabreicht, die bis dahin keine eigene Darmflora hatten. Das Ergebnis nach wenigen Wochen: Mäuse mit dem Dünn-Maus-Kot-Cocktail mit wenig Fermicuten blieben dünn. Die mit dem Dickmaus-Kot-Cocktail mit vielen Fermicuten entwickelten tatsächlich einen deutlich höheren Körperfettanteil. Obwohl beide die gleiche Menge Futter bekommen hatten.

Ballaststoffe werden zur Kalorienbombe

Die Konsequenzen sind gravierend: Die häufig verklärten Ballaststoffe, die praktisch in allen pflanzlichen Nahrungsmitteln enthalten sind, werden zur Kalorienbombe, wenn man die falsche Darmflora hat. Äußerst fragwürdig vor diesem Hintergrund: Nahrungsmittel, die mit Ballaststoffen angereichert sind. Als Hilfe für die Verdauung und fürs Abnehmen angepriesen, können sie im Ernstfall genau die gegenteilige Wirkung haben.

Ebenso fragwürdig: ein Großteil der Kalorienzählerei. Denn wie weit Ballaststoffe verwertet werden können, ist eben von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Kalorienwerte müssten eigentlich für die persönliche Darmflora berechnet werden.

Michael Blaut vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung arbeitet daran, die lange unterschätzte Rolle der Darmbakterien genauer zu untersuchen: „Man kann die Darmflora als Ganzes eigentlich wie ein eigenes Organ ansehen. Die Stoffwechselleistung, die durch diese Bakterien im Darm vollbracht wird, ist sehr vielfältig. Gleichzeitig bedeutet die Vielfältigkeit für uns, dass es sehr schwierig ist, diese Vielfältigkeit zu erforschen, die einzelnen Funktionen zu erkennen und auch einzelnen Bakterienarten zuzuordnen.“

700 verschiedene Bakterienarten

Bakterien verbergen sich im Mikrokosmos. Sie sind kleiner als ein tausendstel Millimeter, und mit den besten Lichtmikroskopen gerade noch sichtbar. Sechs bis siebenhundert verschiedene Arten bevölkern den menschlichen Darm. Und ihre vielfachen Wechselwirkungen mit ihrem Wirt, dem Menschen, sind erst in Ansätzen geklärt.

Michael Blaut erklärt seine Forschungsziele in Zusammenhang mit den neuen Erkenntnissen über die Rolle der Darmflora bei der Dickleibigkeit: „Wir möchten herausbekommen, inwieweit unsere Ernährung dazu beiträgt, dass wir eine andere Darmflora bekommen, die dann dafür sorgt, dass wir noch dicker werden. Und wir versprechen uns davon, dass wir die Rolle, die die Bakterien dabei spielen können, erkennen können. Dass wir möglicherweise auch eine Möglichkeit haben, das zu beeinflussen, um die Fettleibigkeit zu verhindern oder zu verringern oder abzuschwächen.“

Im Keller des Instituts, bei minus 70 Grad, liegen die Bakterien der Darmflora auf Eis. Nicola Reichert wählt für ihre Doktorarbeit die wichtigsten Stämme aus. Auch Firmicuten. Wie 99 Prozent der Darmbakterien vertragen sie keinen Sauerstoff. Die junge Wissenschaftlerin muss sie im sauerstofffreien Anaerobiazelt vorbereiten. Die Bakterien kommen auf einen Nährboden und vermehren sich zwei Tage im Brutschrank. Dann werden sie geerntet. Nicola Reichert mischt sie mit anderen Bakterienstämmen der Darmflora zu einem genau definierten Bakteriencocktail. Das ist die zentrale Idee Ihrer Forschungsarbeit.

Noch ist es Grundlagenforschung

Keimfrei aufgezogene Ratten werden mit diesem Bakteriencocktail gefüttert und erhalten somit quasi eine genormte Darmflora: Alle Tiere haben die gleiche, genau definierte Bakterienkultur im Darm. Jetzt erst lässt sich erforschen, wie Nahrung die Darmflora beeinflusst. Noch ist es Grundlagenforschung, doch in einigen Jahren können die Erkenntnisse, die am Deutschen Institut für Ernährungsforschung gewonnen werden, vielleicht einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung der großen Krankheit des Jahrhunderts leisten: der Fettsucht.

aus dem SWR

Wenn ich all diese klinischen Ergebnisse so anschaue und gleichzeitig wahrnehme, wie ich von der Gesellschaft behandelt werde, erinnert mich das ein wenig an die Hexenverbrennungen:  keine Sau wollte wissen, was die Wahrheit ist und glaubte einfach an ein Dogma dass zu einer Zeit aufgestellt wurde als noch keine Sau von überhaupt irgendetwas eine Ahnung hatte und vernichtet jeder und jede die nicht diesem Dogma entspricht.

Advertisements

3 Gedanken zu “Darmbakterien sind an Übergewicht beteiligt

  1. Pingback: Leere Versprechungen? « Hungerkünstlerin

  2. ich sag nur eins: mache leute pflegen immer noch diese unspezifische denkweise aus dem mittelalter (-> hexenverbrennung) … das ist einfach nur einfallslos und dumm und gedankenlos (sorry is‘ so), nur weil dieser weg so einfach und bequem is…
    ei beispiel dafür findet sich hier (http://lifestyle.t-online.de/uebergewicht-darmbakterien-steuern-unser-gewicht/id_45902866/index) bei den kommentaren:
    elaine schrieb: am 23. April 2011 um 15:25:12
    …wenig essen
    Jedes Pfund geht durch den Mund!!!Was wenig oder viel ist, liegt in der Sache des Betrachters. Und-ich erlebe, dass dicke Menschen meist „heimlich“ Kalorien zu sich nehmen, die sie gar nicht als „essen“ betrachten! z.B. ein Bonbon, ein Stückchen Schokolade, Naschen beim Kochen, Erdnüsse, ein paar Chips…DAS sind die Kalorienbomben, nicht das Flesch und das Gemüse auf dem Teller…
    DIESE ART DES DICKWERDENS IST DURCHAUS EINE VARIANTE, WARUM JEMAND DICK IST … ABER ES IST EINFACH NUR ÜBERHEBLICH UND AROGANT DIESES AUF ALLE ÜBERGEWICHTIGEN ZU ÜBERTRAGEN !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
    ihr daumen kann ja auch platt von ’nem hammer, ’ner tür oder ’ner dampfwalze sein ….. oder: der eine is von geburt an doof, ein anderer von ’nem schlag auf den kopf und noch ein anderer nur, weil er zu faul is, seinen grips auch zum NACHdenken zu gebrauchen und nicht nur zum nachbrabbeln von stupiden vorurteilen und killerfrasen … menno … es is doch nicht alles schwarz ODER weiß, gut ODER böse … und es gibt im leben IMMER MEHR ALS EINEN BEINFLUSSENDEN FAKTOR – anders als im labor ……………
    gruß an alles selbsändig nachdenkenden menschen dieser welt, die anderen haben wahrscheinlich garnicht bis hier weitergelesen. wenn doch bravo und nicht vor empörung das NACHdenken vergessen ;-)

    Gefällt mir

  3. Tja, schön dass es in unserer schönen, reichen Gesellschaft keine anderen Probleme gibt, ob jemand dick oder dünn ist….
    hübsch oder häßlich…
    – es wäre besser, man würde sich Gedanken machen, ob die Menschen klug oder dumm, sozial oder asozial, fleißig oder faul sind…
    Früher, als es noch keine regelmäßige Nahrungsquellen gab oder Hungersnöte auftraten, waren diejenigen eindeutig von Vorteil, die schnell Fettreserven für schlechte Zeiten aufbauen konnten. Die Dünnen, an denen nichts „hängenblieb“, weil sie einen anderen
    Stoffwechsel (Genetik) ect. hatten, blieben in diesen mageren Zeiten oft auf der Strecke (verhungerten) – die Dicken konnten überleben. also nördlich der Alpen waren bei den langen Wintern die „Mobbelchen“ Jahrzausende lang, die „bessere Rasse“….
    Jetzt ist es die meistverfolgteste Rasse in der westlichen „zivilisierten“ Gesellschaft…. man könnte meinen, es kommt fast einer neuen Hexenverfolgung gleich…. egal wieviel Diäten ein Dicker macht und dadurch immer dicker wird (Jojo) – er ist IMMER an seiner Figur schuld und wird gerne kollektiv in der Gesellschaft in allen Schichten gemobbt…. Privat oder Beruflich…
    Dabei gibt es keine einzige seriöse medizinische Studie, dass dicke Kränker sind als Dünne… es gibt nur Studien, dass Dicke prinizipiell weniger Essen als Dünne…. der gesellschaftliche Druck machts möglich…. und die Abnehmindustrie freut sich…
    Ich war als Kind dünn, als Teenager schlank und jetzt im Erwachsenenalter Dick (jahrzehntelang Lipödeme). Seit Jahrzehnten esse ich um die 1000 Kalorien, habe jeden Tag mehrmals Hunger, weil ich nicht gerne esse (nach dem Essen wird es mir häufig schlecht – wg. diverser Lebensmittelallergien, chron. Durchfall ect.)
    Zum Glück habe ich trotzdem keinerlei Minderwertigkeitsgefühle und werde sie mir auch von niemanden einreden lassen.
    Also meine Aufforderung an alle Mehrgewichtigen – tut euch zusammen und lasst euch diese „kranke Dickheitsdebatte“ nicht länger gefallen!!!!
    Kümmert Euch lieber um wichtiger Dinge wie Hunger auf der Welt, Umweltverschmutzung, Korruption, Inflation, Arbeitslosigkeit ect.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s