VBS im Krieg mit der Informationstechnologie

In den letzten zehn Jahren sind Hunderte von Millionen Franken in Berater investiert worden, schreibt der ‚Sonntag‘ in seiner aktuellen Ausgabe. Vor zwei Wochen haben nun weitere sechs Berater der Boston Consulting Group (BCG) angefangen, sie sollen in zwei Monaten eines der vielen ungelösten Informatik-Probleme in den Griff kriegen: Die Finanzbuchhaltung. Das Verteidigungsministerium (VBS) zahlt ihnen dafür jeweils ein Tageshonorar von 3500 Franken. Einige von ihnen haben eine ETH-Ausbildung und die meisten sind deutlich unter 30 Jahre alt. Für einen VBS-Insider, so der Sonntag, stünden sie vor einem unmöglichen Unterfangen: „Hut ab, wenn sie das schaffen ohne Kenntnis der Systeme um die Finanzbuchhaltung“, sagt er und fügt an, dass es sich ja vielleicht um „Genies“ handle, denn „alle unterschätzen die Komplexität“.

Berater in den letzten Jahren bereits vergeblich versucht hatten, die Finanzbuchhaltung auf Vordermann zu bringen. Controller und Finanzfachleute seien daran gescheitert, eine Kostenstellenrechnung und saubere Budgetierung zu erstellen. Die beiden letzten Versuche sollen total zwei Millionen Franken gekostet haben. Das letzte Projekt lief unter dem Namen „Completence“ und war noch vor Ueli Maurers Amtsantritt ausgelöst worden. Nun soll BCG den Durchbruch schaffen.Das VBS hat den Überblick verloren

Die Probleme hätten begonnen, als die Armee im Zuge der Armee XXI kleiner, schneller und flexibler werden wollte und dazu SAP DFPS (Defense Forces & Public Security) einführte. Zuvor hatten Heer, Luftwaffe und Logistik eigene SAP-Systeme besessen. SAP militärische Anwendung unterstützt Streitkräfte bei der Abwicklung der Einsatzplanung, der Personalauswahl und bei der Logistikkette. Alle Armee-Systeme basieren auf SAP DFPS, auch die Logistiksoftware Logistik@V, die Anfang 2010 mit grossen Schwierigkeiten eingeführt wurde. Auch hier mussten verschiedene externe Firmen mehrere Anläufe nehmen. Zuletzt arbeiteten Novo und Bearing Point daran – und das System wurde zu früh eingeführt. Es war noch nicht reif.

Das VBS ging gegenüber dem „Sonntag“ auf Fragen nicht ein, sondern hielt unter anderem fest: „Der Chef VBS hat im Juni 2010 öffentlich angekündigt, dass er den Fragenkomplex ‚Externe Beratung‘ im VBS überprüfen lässt. Diese Überprüfung ist im Gang. Dazu gehören auch die von Ihnen erwähnten Informatikberater.“So einfach will sich die Geschäftsprüfungskommission (GPK) in Sachen Berater im VBS offensichtlich nicht abspeisen lassen. „Ich habe in der GPK eine Anfrage eingereicht“, bestätigt CVP-Nationalrätin Ida Glanzmann gegenüber dem „Sonntag“. Sie will wissen: „Wo überall gibt es Berater? Wie wurden sie geholt? Wie viel haben sie gekostet? Und was haben sie gebracht?“ Sie habe je länger desto mehr Mühe mit der Personalpolitik im VBS, sagt Glanzmann der Zeitung weiter. Offenbar stellt man sich im Nationalrat unterdessen ganz grundsätzliche Fragen zur IT der Schweizer Armee.

Dank an inside-channels.ch

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