Buchpreisbindung : ein eidgenössischer Eiertanz

http://sauschwabe.files.wordpress.com/2010/02/schweizer-buchpreisbindung.jpgNational- und Ständerat sind sich bei den Buchpreisen nicht einig. Umstritten ist, ob die verbindlichen Preise auch für im Internet bestellte Bücher gelten sollen. Der Ständerat ist dagegen, der Nationalrat hat sich am Montag dafür ausgesprochen.

Ob das Parlament eine praktikable und mehrheitsfähige Lösung für die Wiedereinführung der Buchpreisbindung findet, scheint nach der Differenzbereinigung vom Montag im Nationalrat fraglich. Neben der Frage der genauen Verfassungsgrundlage bleibt vor allem auch der eigentliche Geltungsbereich des Gesetzes umstritten:

Im Mai 2009 hatte der Nationalrat entschieden, den direkten Online-Handel aus dem Ausland vom Gesetz auszunehmen. Der Ständerat erkannte darin eine Diskriminierung der Schweizer Online-Händler und wollte den Internet-Verkauf grundsätzlich von der Preisbindung befreien.

Nun hat sich der Nationalrat mit 106 zu 73 Stimmen entschlossen, auf Ausnahmen zu verzichten und im Internet gekaufte Bücher dem Gesetz zu unterstellen – egal ob der Anbieter im In- oder im Ausland ansässig ist. Gegen die Ständeratslösung stimmten CVP, BDP und die Linke. Doch auch der Beschluss des Nationalrats, auch ausländische Internet-Verkäufer der Preisbindung zu unterstellen, wirft gewichtige Praktikabilitätsfragen auf: Hans Kaufmann (svp., Zürich) bezeichnete den entstehenden Kontrollaufwand für den Zoll als «völlig realitätsfremd». Volkswirtschaftsminister Johann Schneider Ammann verwies ferner auf Probleme mit dem Freihandelsabkommen mit der EU. Zudem würden die Schweizer Konsumenten daran gehindert, im Ausland Bücher zu ortsüblichen Preisen zu erwerben. – Das Geschäft geht nun zurück in den Ständerat.

Schweizer Konsumenten können Bücher aus dem Ausland zu „ortsüblichen Preisen“ nur erwerben, wenn eine Buchpreisbindung konsequent erhalten bleibt.

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11 Gedanken zu “Buchpreisbindung : ein eidgenössischer Eiertanz

  1. Wenn die Buchpreisbindung kommt, lasse ich mir die Bücher an eine Adresse an der Grenze schicken und hole sie dort ab. Dafür fahre ich dann extra hin mit dem Auto. Liebe Räte, diese zusätzliche Umweltverschmutzung habt ihr zu verantworten.

    Alternativ kaufe ich mir ein Tablett und kaufe Bücher nur noch elektronisch. Wollt ihr dies auch noch kontrolllieren? Wo leben wir dann? China?

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    • Wenn die Buchpreisbindung konsequent wieder eingeführt würde, würde es sich nicht mehr rentieren die Bücher an der Grenze abzuholen, weil dann die überteuerten Buchpreise in der Schweiz der Vergangenheit angehören würden. Denn mehrere internationale Studien sprechen klare Worte: insgesamt wird der Buchpreis bei Wegfall der Bindung suksessive von den Händlern erhöht. Die Buchpreisbindung garantiert also auch, dass der Konsumentenschutz sich positionieren kann.
      Wenn Sie aber Ihr Auto benutzen wollen um sich selbst diese Kosten zu versursachen, will ich sie höchstens hinsichtlich der Umweltverschmutzung davon abhalten. Ein Tablett mit E-Books wäre ökologisch betrachtet – genauso wie MP3 Player statt CD Player – ohnehin sinnvoller.
      Buchpreisbindung wirkt anfänglich sehr befremdlich und passt so gar nicht zur Wettbewerbsstrategie unseres Kapitalistischen Systems. Das eigentliche Problem bei Literatur ist aber, dass es kein Produkt ist, dessen Preis einfach gemäss Nachfrage festgelegt werden kann. Das Beste Beispiel dafür was passiert, wenn Information nur noch nachfrage- bzw. gewinnorientiert produziert und verkauft wird, ist das Privatfernsehen. Fachliteratur – deren Produktion in aller Regel die Kosten für einen Donna-Leon-Roman um ein Mehrfaches übersteigt, deren Nachfrage sich gleichzeitig auf ein Fachpublikum beschränkt – kann im Wettbewerb nicht neben der Trivialliteratur existieren.
      Als Bibliothekarin für ein Fachpublikum bin ich für die Buchpreisbindung. Einerseits weil die Schweizer Buchhändler dann nicht mehr 35%-Margen einsacken können, andererseits um die Produktion und Verbreitung von Fachwissen garantieren zu können.

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  2. hier sind wir, wohl einzigartig, gegensätzlicher meinung. als student kann ich davon profitieren, dass ich teilweise sündhaft teure literatur günstiger – auch hier in der schweiz – erwerben kann.
    die argumentation hinkt im übrigen gewaltig, wenn vom buch als „kulturgut“ gesprochen wird. musik, die ja nachweislich älter ist als unsere buchdruckerkunst, wird ja nicht mit demselben motiv künstlich verteuert. oder hast du für eine cd schon mal überall gleich viel gezahlt? :-)
    der markt spielt und es gibt wie überall verlierer und gewinner – warum nun hier buchhändler davon ausgenommen werden sollen, ist mir nicht ersichtlich. ich denke, längerfristig wird sich qualität und gute beratung – sofern sie notwendig ist – durchsetzen.
    soweit ich mich entsinne gibt es so eine buchpreisbindung ohnehin nur im deutschsprachigen raum… überall sonst funktionierts auch ohne…

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    • Hm, um auf deine Argumente einzugehen:
      Es freut mich dass du als Student die sündhaft teure Literatur günstiger erhältst. Aber was spricht denn dagegen dass alle diese Literatur günstig erhalten?
      Ich sehe das Buch weniger als „Kulturgut“, sondern als „Informationsträger“.
      Wie alt eine Disziplin ist sagt im Allgemeinen wenig über ihren informationellen Wert aus. Musik vermittelt auch Informationen, jedoch sind sie dort weder verifiziert noch notwendigerweise relevant und dies führt nicht zwangsläufig zu einer Wertminderung. Ich denke dein Vergleich von Buchdruck und Musik hinkt also auch ein wenig.
      Im übrigen wird die Buchpreisbindung von dir als „künstliche Verteuerung“ ausgelegt. In praktisch allen Ländern, in denen die Preisbindung gefallen ist, kam es aber zu eben genau dieser künstlichen Verteuerung. Hier die Quelle
      Richtig, der Markt spielt und es gibt Verlierer und Gewinner. Auch zahlt sich letzten Endes Qualität und gute Beratung aus. Warum denn also nicht direkt den Wettbewerb auf diese Dienstleistungen verlagern denn auf Reingewinnspekulationen?
      Ja es funktioniert überall sonst auch ohne. Autos funktionieren auch wunderbar mit Benzin. Auch ungebildete Leute gehen arbeiten. Aber die Frage die sich stellt ist: Wie viel besser wäre es wenn wissenschaftliche Literatur nicht zu Gunsten von unterhaltender Literatur vom Markt verdrängt wird?

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  3. Jeder kann ja in der Schweiz diese Bücher günstiger erhalten. Unter anderem in jeder Ex Libris Filiale oder auch online (ohne jetzt Schleichwerbung machen zu wollen)…

    Normalerweise, wenn ich ein Buch kaufe, brauche ich weder Beratung noch sonst was. Dann will ich mein Buch und damit basta. Es ist so eine Sache von Buchhändlern, ihren Beruf höher zu gewichten als er in Wirklichkeit ist. Klar, es ist nicht dasselbe wie jemand in der Migros, der das Sortiment eintischt und an der Kasse hockt. Aber auch der muss sein Sortiment kennen… Das war jetzt fies, ich weiss. Aber ein Buchhändler ist nichts anderes als ein spezialisierter Verkäufer… :-)
    Ich bezweifle stark, dass wissenschaftliche Literatur verdrängt wird. Es wird dafür immer eine Nische geben. Die wird vielleicht nicht grösser – aber seien wir ehrlich, welche „Otto-Normal-Verbraucher“ kauft sich die dicksten wissenschaftlichen Wälzer?
    Ich habe einen anderen Bezug zu Musik, wahrscheinlich deshalb habe ich dieses Beispiel genommen. Im Übrigen hinkt es nicht, wird doch bei Büchern immer wieder von Kulturgütern gesprochen (es ging mir dabei um die Kultur ;-) Ob die in einem Roman wie „Feuchtgebiete“ gegeben ist, lassen wir mal dahingestellt).

    Ich habe oben erwähnt, dass Ex Libris Bücher hier günstiger verkauft. Auch Fachbücher. Ich nehme stark an, sie können das durch Direktimport machen. Nun denn, wenn ich dort was einkaufe, erwarte ich keinen Support. Dann will ich meine Ware und damit wars das.

    Pro / Contra Buchpreisbindung gibts wohl zahlreiche Links. Hier auch noch einer: http://www.kassensturz.sf.tv/Nachrichten/Archiv/2010/01/26/kassensturzsendungsartikel/Buecherkartell-Zurueck-zu-ueberhoehten-Preisen

    Beratung und Qualität sind okay – aber dann entscheide ich gerne selber, wo ich das so bezahle und wo ich bereit bin, gerne mal ein paar Franken mehr zu bezahlen. (Das ist ja fast wie bei der Kirchensteuer, hihi)

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  4. Wenn du jetzt schreibst, alle könnten Bücher günstig haben, dann verstehe ich nicht warum du dich vorher so über deinen Studentenrabatt gefreut hast.

    Ich kann nicht beurteilen wie sich Buchhändler selber sehen. Ich weiss dass sie in ihrer Ausbildung intensives Wissen über das Verlags- und Buchwesen erhalten. Dass es sich hier um spezialisierte VerkäuferInnen handelt wird wohl auch keiner abstreiten.

    Natürlich ist nicht jeder Kunde oder Benutzer auf Beratung angewiesen, aber das stört die ZAP genau so wenig wie die Migros.

    Die sogenannte „Nische“, welche sich die wissenschaftliche Literatur „irgendwie“ einrichten wird, existiert tatsächlich:
    Ich sehe in meinem beruflichen Alltag dass wissenschaftliche Literatur (nicht selten werden die Studien von öffentlicher Hand finanziert) von Fachverlagen wie Elsevier eingekauft und dann zu horrenden Preisen weiterverkauft wird. Der Artikelpreis liegt zwischen 20 und 30 USD. Zusätzlich werden sehr restriktive Urheberrechtssicherungen umgesetzt um den Profit der Verlage zu garantieren. Wenn es sich nicht um open access mit Peer Review handelt, muss der Autor seinen eigenen Artikel beim Verlag sogar selber einkaufen.

    So sieht diese Nische aus. Sie sieht vor, dass man das Wissen, dass die Menschheit mit ihren Steuern mitfinanziert hat zu Wucherpreisen zurückkaufen muss.

    Richtig, der Otto-Normal-Verbraucher interessiert sich nicht zwangsläufig für Fachliteratur. Aber damit wird man all den (noch) nicht entdeckten Genies Unrecht antun, welche sich das Wissen, dass sie benötigen, nicht aneignen können. Abgesehen davon hat der Otto-Normal-Verbraucher mit seinen Steuern zu einem erheblichen Mass die Information mitfinanziert und sollte somit das Recht haben, sich damit zu bilden.

    Bücher sind auch ein Kulturgut (aber beim Kulturgut geht es eher um Belletristik denn um Fachliteratur), aber sie erfüllen vor allem seit Jahrhunderten eine wichtige Funktion als ohne Zuhilfenahme einer Maschine lesbare Informationsträger.

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  5. da hast du mich missverstanden. ich schrieb nix von einem studentenrabatt. jeder kann z.b. bei exlibris von den tiefen preisen profitieren. das meinte ich.

    für mich gehört halt auch musik zum kulturgut oder auch der film. nur hier gibts das ganze eben nicht (obwohl es ja auch dokumentarfilme gibt, etc.) du siehst, was ich meine :)

    ich bin mit dir einverstanden dass, wenn schon die öffentliche hand für eine studie bezahlt, auch alle davon profitieren sollen. dann müsste man aber den hebel bei diesen verlagen ansetzen…

    ich sehe, das wird eine endlose diskussion ;-)

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    • „als student kann ich davon profitieren, dass ich teilweise sündhaft teure literatur günstiger – auch hier in der schweiz – erwerben kann.“ Ich habe daraus geschlossen dass du einen Studentenrabatt bei gewissen Händlern einfordern kannst, sorry. Wie auch immer: Wenn ExLibris billig liefern kann (und auch dort gibt es Filialen), dann warum nicht auch eine ZAP? Die Buchpreisbindung muss nicht bedeuten dass der Preis von Onlinenanbietern steigt, sie kann auch zur Folge haben dass der Preis von Offlineanbietern sinkt…

      Dass Belletristik, Film, Musik und Malerei Kulturgüter darstellen ist ja glaube ich ein unbestrittener Punkt. Aber warum das Buch auf seine Form statt auf seinen Inhalt reduzieren? Das Buch kann sowohl Kulturgut (Belletristik) als auch Informationsträger (Fachliteratur) sein.

      Es ist in jedem Fall eine schwierige Diskussion! Der Eiertanz im Parlament zeigt es ja bereits deutlich.

      Eines ist für mich aber klar: So wie es jetzt ist, ist es für mich keine gute Lösung um eine fundierte Bildung so vielen Menschen wie möglich zu ermöglichen.

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  6. wäre schön, wenn ich einen rabatt einfordern könnte :) weil die zap schon lange zur thalia-gruppe gehört und denen es nur recht is, wenns ne buchpreisbindung gibt ;-)
    richtig, muss es nicht heissen. aber exlibris liefert günstiger sowohl „on- als auch offline“ (da haben die die gleichen preise).
    wenn wenigstens die angestellten besser verdienen würden, würde ich nix sagen, aber die verdienen ja lausig :-(
    tja, die frage nach einer fundierten bildung… ich glaube an moderne medien und denke mir, dass in zukunft vieles durch ein ipad oder ein ebook-reader ersetzt werden kann (okay, ein buch ist ein haptisches erlebnis…). aber auch dafür wirds lösungen geben.
    die andere seite: will die menschheit überhaupt noch gebildet werden ;-)? manchmal zweifle ich daran… leider.

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    • Du sprichst ein heikles Problem an, dass die Buchpreisbindung verursachen kann: um trotz begrenzter Preise den gewünschten Reingewinn zu erwirtschaften könnten einige Konzerne die Löhne niedrig halten oder sogar Mitarbeiter entlassen; eine offensichtlich „natürliche“ Reaktion in unserer Privatwirtschaft, so scheint es mir mittlerweile: jegliche Form des Defizits immer auf Kosten der hierarchischen Arbeiter-Basis und nicht auf die Spitze abgewälzt.

      Vielleicht lasse ich mich sogar vom Standpunkt der generellen BuchPreisbindung zu Gunsten einer aggressiveren Politik in Bezug auf Wissen, das von öffentlicher Hand finanziert wird, abbringen damit die BürgerInnen für öffentlich finanzierte informierende Literatur lediglich die Kosten der Zurverfügungstellung tragen müssen. Das fände ich fair.
      Auch ich habe extrem grosse Hoffnungen in die neuen technologien gesetzt. Aber ACTA und zahlreiche schon heute umgesetzten Urheberrechtsrestriktionen haben mir diese Hoffnung ein wenig zu Eis gefrieren lassen. Auch das haptische Erlebnis wird von der jungen Leserschaft in meinem Arbeitsbereich nicht mehr sonderlich geschätzt oder gefordert. Im umgekehrten Fall verhält es sich mit der älteren Leserschaft. Auch hier denke ich, dass der Mensch grundsätzlich anpassungsfähig ist.
      Die Frage ob die Menschheit sich überhaupt bilden will, ist berechtigt. Wenige gehen gerne in die Schule, die meisten empfinden Lernen als eine anstrengende Gedankenübung, einige sogar als Zeitverschwendung. Meiner Ansicht nach liegt dies auch ein wenig daran, dass die Menschen nicht nachhaltig für den Wert von Information sensibilisiert werden, und nicht zuletzt am inneren Schweinehund :)
      Sport ist damit sogar teils vergleichbar. Sportler haben allerdings den Vorteil, meist viel mediale Anerkennung für ihre Leistungen zu erhalten. Dies wird Wissenschaftlern bis zu einem gewissen Grad verwehrt.

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