Die Magenbypass-Odyssee Teil 3 : Dem Bypass so nahe

Nach Teil 1 und Teil 2 folgt nun – ein Jahr später – Teil 3: Nachdem meine Psychologin ein halbes Jahr lang die Beurteilung für mich hinausgeschoben hatte, verlangte sie schliesslich von mir, dass ich mich stationär aufnehmen lasse um zu analysieren, ob ich nicht via Verhaltenstherapie mein Gewicht korrigieren könne.
Da ich meine Arbeitsstelle nicht für ein halbes Jahr auf Eis legen wollte und weil ich mit der latenten Angst lebe ich könnte die letzten Monate meines Hundes nicht miterleben, einigte ich mich mit ihr auf einen Kompromiss: 4 Monate lang würde ich ein Ernährungstagebuch führen und exakt die Verhaltensrichtlinien der Psychologin berücksichtigen. Mir wurde garantiert, dass man mich für die OP vorschlagen würde, sollten sich innerhalb dieser 4 Monate keine Gewichtsabnahme einstellen. Zudem werde ich die ersten Tage nach der OP stationär aufgenommen. Das kommt mir entgegen.

Wir haben im Konkreten folgendes umgesetzt in den letzten 4 Monaten:
1. Keine Zwischenmahlzeiten bzw. kein Naschen
2. keine Süsslimonaden
3. Maximal einmal etwas Süsses am Tag
4. Einmal täglich eine Vollwertmahlzeit
5. Nur essen wenn man Hunger hat

Anfänglich stieg das Gewicht, schliesslich hat sich nach dem ersten Monat nichts mehr getan. Eine echte Erklärung, wie das möglich ist (denn es ist durchaus etwas disziplinierter als mein vorheriges Essverhalten), habe ich nicht (und ich habe sogar Optionen wie Schlafwandlerische Fressanfälle berücksichtigt). Wie auch immer, meine psychologische Beurteilung für die OP steht und ich warte jetzt auf die Kostengutsprache von der Krankenkasse.

Mein Leben stand jetzt ein Jahr still. Ich habe ein weiteres Jahr verloren. Ein weiteres Jahr, indem ich nicht sein konnte, wer ich bin, mich aufgrund Schmerzen und der Angst vor Spott nicht ausleben konnte. Ein weiteres Jahr, in welchem mich die Welt auf mein peinlichstes Defizit reduziert hat (wenn sie sich nicht gerade darüber lustig machte). Ein weiteres Jahr unterdrückte Sexualität, weil man sich selber bereits mehr ekelerregend als erotisch findet. Ein weiteres Jahr Leben im Status Quo. Ironischerweise hat meine Psychologin während dem vergangenen Jahr abgenommen, sichtlich – gute 10 Kilo. Ich mag es ihr gönnen.

Ein Jahr hatte ich Zeit, Ordnung in meinem Kopf zu schaffen, das gebe ich zu. In diesem Jahr gab es aber auch nichts, was mein Weltbild ins Wanken gebracht hätte.

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Ein Gedanke zu “Die Magenbypass-Odyssee Teil 3 : Dem Bypass so nahe

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