Die Magenbypass-Odyssee Teil 4: Erleichterungen

Während ich 2 Jahre lang auf meinen Bypass gewartet habe, kam es zu zahlreichen Fehlern und Unfällen. Spätestens als ich bei meinem letzten Besuch bei der Internistin im Parkhauslift stecken geblieben bin, begann ich damit zu hadern ob eine ominöse Macht die OP verhindern will…

Nichtsdestotrotz ist die OP mitte Dezember letzten Jahres durchgeführt worden. Einwandfrei. Leider haben die Ernährungsberater in meinem Kanton eine etwas andere Ansicht davon, wie die postoperative Ernährung aussehen könnte, dafür war dann die erste Mahlzeit die nicht aus einem Becher kaltem püriertem Gemüse und künstlichem Proteinzusatz bestand eine grosse Freude.

Ich versuche nun sehr viel Sport zu machen, mich allgemein oft zu bewegen. Ich habe eine Bewegungstherapie begonnen um meinen Körper während der Gewichtsabnahme wahrzunehmen und Scham abzubauen. Ich habe gute 15 Kilo bisher verloren in zwei Monaten.

Die Gewichtsabnahme geht so enorm schnell voran, dass ich das erste mal das Erfolgsgefühl habe, dass mir sonst bei Diäten ehrlich gesagt immer gefehlt hat. Während es bei den Diäten nie schnell genug gehen konnte, ist hier die Gewichtsabnahme dermassen stark wahrnehmbar (an Kleidung, Körpergefühl, Beweglichkeit etc.) dass man gar nicht das Bedürfnis hat eine schnellere Abnahme zu wünschen.

Nach meiner OP unterrichtete ich den Chef der Internistin über die Geschehnisse während meiner präoperativen Zeit:

Da ich mich kürzlich einer Magenbypassoperation unterzogen habe, durfte ich als Patientin diverse Erfahrungen in Ihrer Klinik  sammeln an denen ich Sie teilhhaben lassen möchte:

Während meines zweiten Termines im Juni 2010 überschlugen sich diverse Ereignisse:

  • Die Klinik hatte meine Krankengeschichte mit derjenigen einer italienischen Patientin mit einem Doppelkinn „vermischt“. Eine Entschuldigung für den fahrlässigen Umgang mit meinen Daten und denen einer anderen Patientin hatte ich nicht erhalten.
  • Die Internistin warf mir vor, dass das angeforderte psychologische Gutachten noch nicht da sei. Es stellte sich heraus, dass die erste Aufforderung für ein Gutachten an meine Psychologin von vor 7 Jahren geschickt wurde statt an meine jetzige. Keine Entschuldigung seitens der Internistin für die fehlerhafte Datenaufbereitung.
  • Die Internistin wirft mir vor, ich hätte ihr nicht gesagt dass vor 7 Jahren schon eimal ein Gesuch für die Kostenübernahme eines Magenbypasses gestellt worden sei welches abgelehnt wurde. Allerdings sah sie sich bei der ersten Sprechstunde die Werte der Diagnosen von vor 7 Jahren an (weshalb diese teuren Untersuchungen auch nicht mehr erforderlich warenI und fragte auch, warum es damals nicht gemacht worden sei, sie war also über das Gesuch und die Ablehnung sehr wohl informiert und ihre Vorwürfe waren unberechtigt.

Die psychologische Beurteilung wurde im Sommer 2011 übermittelt. Nachdem ich aufgrund eines privaten Zwischenfalles den „einzigen freien Termin“ Mitte September nicht wahrnehmen konnte, erhielt ich für den 1. November 2011 einen Sprechstundentermin in Bern. Ich hatte – in der Hoffnung, den Prozess zu beschleunigen – darauf hingewiesen, dass ich wegen meines Übergewichtes seit Anfang 2011 bereits arbeitsunfähig war.  Ich wurde nach der mehrmonatigen Wartezeit nach Bern zitiert weil man (Zitat) „mich mal wieder sehen wollte“. Im Anschluss daran war eine Weiterleitung an den Chirurgen kein Problem. Es wurden keine medizinisch relevanten Informationen ausgetauscht.Meiner Ansicht nach hat dieser Termin den Prozess um ein halbes Jahr verzögert und schien einzig dem Zweck zu dienen, noch Sprechstundenkosten verrechnen zu können.

Nach diesen Ereignissen war mein Vertrauen in die Klinik erheblich geschwächt, umso erfreulicher war es, dass die richtige Operation erfolgreich durchgeführt werden konnte.

Ich übermittle Ihnen dies in der Hoffnung, dass künftig andere Patienten nicht mit diesen Zwischenfällen zu kämpfen haben oder zumindest bei Prozessfehlern um Entschuldigung gebeten werden. Dies würde einen professionelleren Eindruck machen.

Zudem bin ich der Ansicht, dass Personen, welche aufgrund des Übergewichts arbeitsunfähig sind, zur Schonung der Versicherungen und der IV bevorzugt werden sollten. Natürlich ist dies – und dessen bin ich mir bewusst – nur mit den nötigen personellen Ressourcen möglich.

Danke und beste Grüsse

Ich habe nun erfahren, dass die Internistin nicht mehr in der Praxis arbeitet. Sicherlich wird dies nichts mit meiner Rückmeldung zu tun haben, aber es deutet an, dass nicht nur bei mir Fehlverhalten an den Tag gelegt wurde. Ihr Chef liess einen Monat später auf Anfrage ausrichten, mein Chirurg solle die Nachuntersuchung bei mir übernehmen da das Vertrauensverhältnis gestört sei. Mir kommt dies entgegen, da ich dem Chirurgen tatsächlich noch Vertrauen entgegen bringen kann.

Ich habe auch den Chef meiner Krankenkasse kontaktiert:

Ich kontaktiere Sie aufgrund diverser Zwischenfälle in Zusammenhang mit Ihrer Krankenkasse, welche ich hier gerne näher erläutern möchte:

Im Oktober 2009 traf ich mich mit einem renommierten Bypass-Chirurgen in Basel um eine Magenbypass Operation zu besprechen, welche er innerhalb Monatsfrist hätte ausführen können (was aufgrund meines Gesundheitszustandes auch angezeigt war). Die Krankenkasse teilte mir auf Anfrage mit, dass ich für eine Operation in Basel eine Zusatzversicherung benötigen würde. Mein Antrag auf eine Zusatzversicherung wurde abgelehnt aufgrund bestehender Beschwerden. Da der Sachbearbeiterin bereits bei meiner Anfrage völlig klar sein musste, dass ich unter bestehenden Beschwerden leiden würde (warum sonst wäre eine Magenbypass Operation erforderlich?), führte die Empfehlung einer Zusatzversicherung sowohl für mich als auch für die Krankenkasse zu einer reinen Zeit- und Aufwandsverschwendung.

Ich rief in der Hauptfiliale an und informierte die Sachbearbeiterin detailliert über meinen Fall. Da ich mit 10 Jahren ein akutes Wirbelgleiten durch Versteifung zweier Lendenwirbel in Basel beheben lassen musste, stellte mein Übergewicht ein akutes Problem dar. Ich teilte mit, dass eine Arbeitsunfähigkeit und erhebliche Kosten für die Krankenkasse unweigerlich folgen würden wenn man die Operation nicht schnellstens durchführen könne. Mein Hinweis wurde ignoriert.

Nachdem ich die Krankenkasse wechselte wurde ich im Januar 2010 darüber informiert, dass noch ausstehende Prämien meine Kündigung verunmöglichen würden. Eine Rückfrage bei der Buchhaltung ergab, dass die ausstehenden Prämien via Lastschriftverfahren nicht eingezogen werden konnten, jedoch keine Zahlungserinnerungen dazu verschickt wurden. Ich empfand dies als eine etwas unlautere Taktik um meinen Wechsel zu einer anderen Kasse zu verhindern.

Ich wollte mich anschliessend bei der Krankenkasse darüber informieren, welche Chirurgen eine Magenbypass Operation kantonal durchführen würden und ohne Zusatzversicherung bezahlt würden. Man wies mich an, bei der Chirurgie im Spital  anzurufen um mir die Koordinaten der verschiedenen Chirurgen geben zu lassen. Ich musste anschliessend alle Chirurgen anrufen um zu erfahren, über welche Internisten ich an sie verwiesen werden konnte. Von einer Krankenkasse erwarte ich, dass Sie solche Informationen direkt liefern kann und mich nicht weiterleiten muss.

Anfang diesen Jahres kam es zu der prophezeiten Arbeitsunfähigkeit aufgrund starker Rückenschmerzen. Erneut versuchte ich, mein Gewicht mit Hilfe von Verhaltenstherapie unter strenger Kontrolle anzupassen, doch es war mir nicht möglich. Schliesslich erhielt ich Mitte Dezember 2011, nachdem ich bereits das IV Anmeldeverfahren durchexerziert hatte, den gewünschten Magenbypass, nachdem ich über 1 Jahr lang Chiropraktorische Therapie, Physiotherapie und Schmerztherapie in Anspruch nehmen musste, um die Zeit bis zum Magenbypass zu überbrücken.

Um der Krankenkasse und den Versicherten künftig einen besseren Service bieten und um Kosten sparen zu können empfehle ich Ihnen, Ihre SachbearbeiterInnen besser im Umgang mit Spezialfällen mit medizinischer Vorgeschichte zu schulen.

Ich danke für Ihre Kenntnisnahme
beste Grüsse

Und der Vewaltungsrat des Spitals erhielt von mir Folgendes:

An den Verwaltungsrat,

Mit Freude habe ich die neue Zusammensetzung des Verwaltungsrates des Spital Wallis zur Kenntnis genommen.

Mir ist bewusst, dass es mir nicht zusteht mich in „Ihre Arbeit“ einzumischen, dennoch möchte ich die Gelegenheit nutzen, Ihnen 3 unverbindliche Inputs aus Patientensicht zu liefern:

Vorgeschichte: Der Chirurg wurde im Februar 2010 von mir konsultiert um eine Magenbypass Operation durchführen zu lassen. Das Gespräch erschütterte mein Vertrauen in unser Gesundheitswesen:er empfahl mir ein Magenband (was in Fachkreisen als veraltet gilt), er teilte mit ihm seien schon zwei junge Menschen auf dem OP Tisch gestorben (bei aller Ehrlichkeit erwarte ich etwas mehr Taktgefühl), beim Magenbypass würde ich garantiert ein Leben lang unter Durchfall leiden (was nur bei einer bestimmten, von mir nicht angestrebten Form des Bypasses der Fall wäre). Am Ende des Gespräches teilte er mit, er sei der Laparoskopie nicht mächtig, dies sei aber bei „meiner Erscheinung“ ohnehin nicht erforderlich. Nach diesem Gespräch habe ich mich dazu entschieden, mich nicht von einem kantonalen Chirurgen operieren zu lassen.

Input: Ich kann verstehen wenn er einen schlechten Tag (möglicherweise mit einem Todesfall?) hinter sich hatte, dennoch denke ich dass er das professioneller hätte handhaben können. Ich bitte deshalb darum, den Chirurgen dazu anzuhalten, künftig anständiger mit den Patienten umzugehen, unabhängig von seiner Stimmungslage.

Vorgeschichte: Während eines kürzlich erfolgten Spitalaufenthaltes stellte ich fest, dass das Spitalpersonal (ÄrztInnen als auch PflegerInnen) teils Mitleid erregend lange Schichten durchhalten oder zwischen den Schichten nicht genügend Zeit haben, um nach medizinischem Standard genügend Schlaf zu erhalten. Allerdings erschien mir zu keinem Zeitpunkt die Urteils- oder Arbeitsfähigkeit in den spezifischen Fällen eingeschränkt, dennoch ist man als PatientIn verunsichert.

Input: Eine schärfere Kontrolle der Schichteinteilung wäre arbeitsrechtlich angezeigt und würde den Patienten mehr Sicherheit vermitteln.

Ich danke für Ihre Kenntnisnahme

beste Grüsse

Vom Spitaldirektor erhielt ich die Rückmeldung, dass er den Zwischenfall mit dem hiesigen Chirurgen weiterleiten werde und dass man sich bemühe, das – bekannte – Problem der Arbeitszeiten zu lösen. Darüber habe ich mich sehr gefreut.

Warum ich es als mein Recht empfand einfach x-beliebigen Leuten Emails zu schreiben, wird mir von Tag zu Tag unklarer, aber ich denke ich habe nichts Falsches gemacht. Ich weiss, dass man mich jetzt für ungemütlich hält, aber ich denke dass bin ich auch. In den letzten Monaten habe ich zunehmend das Bedürfnis entwickelt, Verbesserungen vorzunehmen oder Anstoss dazu zu liefern. Man könnte sich beinahe fragen, ob ich mir, da ich abnehme und mir darum viele „natürliche Feinde“ (die ganzen Figur-Faschisten) abhanden kommen (werden), mir selber neue Feinde schaffen will; oder aber ich trete aus einer Starre hervor…

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