Übergewichtige als Klimaschädlinge diskriminiert

Dicke essen weniger

Nur stimmt eben diese Ansicht nicht mit dem überein, was wissenschaftlich bisher zum Thema Nahrungsaufnahme und Übergewicht erforscht worden ist. Trotz erheblicher finanzieller und statistischer Bemühungen lassen sich seit Jahrzehnten kaum nachhaltige Einflüsse der Ernährung auf das Körpergewicht finden. Und oft widersprechen die Ergebnisse sogar dem Dogma der Ernährungsberater, dass zu viel Gewicht von zu viel Essen kommt.

So fand die Verbundstudie Ernährung und Risikofaktoren-Analytik (VERA-Studie), die Teil der Nationalen Verzehrstudie ist, heraus, dass es kaum einen Zusammenhang zwischen BMI und Kalorienaufnahme gibt. Der tägliche Energieverbrauch von Frauen mit höherem BMI war sogar niedriger als der der eher dünnen Frauen. Auch die Autoren einer neueren Studie aus Schweden sahen kaum einen Zusammenhang zwischen BMI und Energiezufuhr. Hier fanden die Forscher ebenfalls, dass die Dünnen täglich mehr Kalorien zu sich nahmen, als die Dicken. Und auch in Publikationen, die die Schädlichkeit von Übergewicht zeigen sollen kommen häufig zu dem Schluss: “Es überrascht, dass es keine Studien gibt, die eine direkte Korrelation zwischen Übergewicht und Nahrungsaufnahme zeigen…”

http://www.readers-edition.de/2009/04/23/sind-dicke-menschen-klimaschaedlinge/

Körpertyp wichtiger als Kalorienaufnahme

Wichtiger als die Kalorienaufnahme ist auf jeden Fall die körperliche Veranlagung. Hier unterscheidet man zwischen leptomorphen (hageren) und pyknomorphen (rundlichen) Typen. Neben dem Körperbau unterscheiden sich diese Typen darin, wie gut wärmeisoliert sie sind (dünne frieren eher) und wie große Portionen sie vertragen. Während dickere Meschen größere Portionen auf einmal essen können und damit länger auskommen, brauchen hagere Menschen häufiger am Tag kleinere Portionen (Vielen fällt z.B. auf das in Meetings die dünneren Kollegen häufig unruhig werden, wenn keine Plätzchen auf dem Tisch stehen. Diese haben auch meist irgend etwas Süßes auf dem Schreibtisch). Die Gesamt-Kalorienaufnahme ist dabei über den Tag gesehen ähnlich. Wobei, wie gesagt, die Dünnen oft etwas mehr zu sich nehmen. Als gleichwarme Tiere benötigen wir nun mal einen großen Teil unserer Energie zur Aufrechterhaltung der Körpertemperatur. Und dadurch nutzen die “besser Isolierten” die Energie effizienter.

Eine weitere, viel gepriesene Methode schlank und gesund zu bleiben, ist sportliche Aktivität. Würde man allerdings der Logik der britischen Forscher folgen, sollte man aus Klimaschutzgründen Sport eher unterlassen. Führt dieser doch zu einem Mehrverbrauch an Nahrung und Energie und damit zu vermehrtem Ausatmen von CO2 und höheren Emissionen durch die Produktion dieser Nahrung. Rechnet man noch die An- und Abfahrt zu den häufig klimatisierten Fitnessstudios mit ein, ergibt sich schnell, dass Couchpotatoes wohl eher eine bessere Gesamtenergiebilanz aufweisen, als der aktivere Teil der Bevölkerung.

Stigmatisierung von “schädlichem Verhalten” entspricht dem Zeitgeist

Eigentlich müsste man die Hageren und vor allem die Sportler wegen ihres erhöhten Energieverbrauchs nach der Logik dieser Studie also als “Klimaschädlinge” brandmarken (bei schnellen Sportwagen und schlecht isolierten Häusern ist dies ja auch der Fall). Aber das würde wohl irgendwie nicht zum Zeitgeist passen.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der es immer mehr in Mode kommt, dass sich vermeintlich korrekt verhaltende Menschen aus einem Gefühl der moralischen Überlegenheit heraus andere Menschen stigmatisieren und sich über diese Erheben wollen. Häufig argumentieren diese mit dem gesellschaftlichen Schaden, den die von ihnen Geschmähten angeblich verursachen und fordern unsere Gesellschaft mit fast religiösem Eifer zur Umkehr auf den “rechten Weg” auf.

Bislang fehlte bei der Diffamierung der Dicken noch ein treffendes Argument. Wenn Übergewicht gesundheitsschädlich ist, schaden die Betroffenen vor allem sich selbst. Sollte es aber zum Konsens werden, dass Dicke daneben auch noch als Klimaschädlinge angeprangert werden können, stehen wir vor einer völlig neuen Qualität der Diskriminierung von Menschen, die nicht der gesellschaftlichen Norm entsprechen.

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